Die Geschichte dieses Ortes
Ein Dorf auf dem Deich
Seit 1872 bilden die Oranjesluizen die Schifffahrtsverbindung zwischen Binnen-IJ und Buiten-IJ und halten beide Wassergebiete voneinander getrennt.
Schellingwoude liegt am Waterlandse Zeedijk im Osten von Amsterdam-Noord. Die Häuser folgen den Kurven und Höhenunterschieden des Deiches, weil sich im nassen Moorgebiet vor allem auf oder unmittelbar hinter dem Hochwasserschutz sicher wohnen ließ.
Durch die Entwässerung sank der Moorboden und das Hinterland wurde immer verletzlicher. Der Deich diente dadurch zugleich als Schutz, Verkehrsweg und Grundlage der Besiedlung.
Entlang des Waterlandse Zeedijk entstanden mehrere Deichdörfer, darunter Schellingwoude, Nieuwendam und Durgerdam. Die Häuser standen auf der Deichkrone, an der Böschung oder direkt dahinter.
Schellingwoude wuchs deshalb nicht um einen Platz, sondern als langgestrecktes Siedlungsband. Trotz der späteren Eingemeindung nach Amsterdam ist dieser ursprüngliche Maßstab noch deutlich erkennbar.
Das IJ verändert sich β die Schleusen entstehen
Im 19. Jahrhundert veränderte sich die Wasserlandschaft um Amsterdam grundlegend. Für den Bau des Noordzeekanaals wurden Teile des IJ abgedämmt und trockengelegt. Das Binnen-IJ wurde Teil des neuen Kanalsystems, während das Buiten-IJ mit der Zuiderzee verbunden blieb.
Zwischen beiden Wassergebieten war ein kontrollierter Durchgang erforderlich. Schiffe mussten passieren können, ohne dass Wasser ungehindert von einem Becken in das andere strömte. Die schmale Verbindung bei Schellingwoude wurde deshalb für einen neuen Schleusenkomplex gewählt.
Der Grundstein der Oranjesluizen wurde 1870 gelegt. Am 18. März 1872 ging der Komplex in Betrieb. Die drei ursprünglichen Schiffsschleusen erhielten unterschiedliche Abmessungen, damit Schiffe verschiedener Größen passieren konnten.
Beim Schleusen fährt ein Schiff in eine Kammer und die Tore schließen sich dahinter. Danach wird Wasser eingelassen oder abgelassen, bis der Wasserstand dem nächsten Wassergebiet entspricht. Erst dann können die Tore auf der anderen Seite geöffnet werden. So bleiben Binnen-IJ und Buiten-IJ voneinander getrennt, während die Schifffahrt möglich bleibt.
Alt und Neu nebeneinander
Die Binnenschifffahrt nahm zu und die Schiffe wurden größer. Die Kammern aus dem 19. Jahrhundert konnten den modernen Verkehr nicht mehr effizient verarbeiten. Deshalb wurde neben den alten Schleusen die wesentlich größere Prins-Willem-Alexanderschleuse gebaut, die 1995 in Betrieb ging.
Dadurch ist der Unterschied zwischen historischem und modernem Wasserbau unmittelbar sichtbar. Die alten Schleusen bilden eine Reihe kleinerer Kammern und Gebäude. Die neue Schleuse ist wesentlich größer, erfüllt im Kern jedoch noch immer dieselbe Aufgabe: Schiffe passieren zu lassen und zugleich das Wasser zu regulieren.
Zwei Arten, mit dem Wasser zu leben
Dorf und Schleusen mögen wie getrennte Welten wirken, doch sie gehören zu derselben Geschichte. Der Waterlandse Zeedijk bestimmte jahrhundertelang, wo Menschen sicher wohnen konnten. Die Oranjesluizen erhielten später eine wichtige Rolle bei der Regelung des Wasserstands und der Schifffahrt für ein Gebiet, das weit über Schellingwoude hinausreicht.
Geh deshalb nicht direkt zu den Schleusen. Achte zunächst auf die kleinen Häuser, Höhenunterschiede und Kurven des alten Deichbandes. Betrachte danach die geraden Kammern, beweglichen Tore und wartenden Schiffe. In diesem Übergang wird sichtbar, wie sich das Leben mit Wasser von der Anpassung an die Landschaft zu einer immer präziseren technischen Steuerung entwickelte.