Die Geschichte dieses Ortes
Eine von Wasser und Sand geformte Landschaft
Das Zwanenwater liegt hinter der Vordüne südlich von Callantsoog. Von der Küste aus ist kaum zu erahnen, dass zwischen den Dünen zwei große Süßwasserseen verborgen liegen. Das Eerste Water und das Tweede Water bilden das Herz einer Landschaft aus Schilfmoor, feuchten Dünentälern, Heide, Grasland, offenen Sandflächen und kleinen Gehölzen. Die Nordsee ist ganz nah, doch geprägt wird das Gebiet vor allem von Regen- und Grundwasser.
Die heutige Landschaft entstand im Laufe vieler Jahrhunderte durch Sturmfluten, Küstenabbruch und anschließende Regeneration. Im späten Mittelalter war die alte Dünenkette stark durchbrochen, und der Meeresarm der Zijpe reichte weit ins Landesinnere. Nach der verheerenden Sturmflut von 1553 wurde der Zijperseedeich angelegt. Auf seiner Seeseite bildeten sich anschließend neue Dünenzüge. Dazwischen blieb Wasser zurück, das zunächst einen einzigen langgestreckten Dünensee bildete.
Später schnürte Flugsand den See an mehreren Stellen ein. So entstanden schließlich das Eerste Water und das Tweede Water. Rund um die flachen Seen entwickelten sich breite Röhrichte, Bestände der Schneide, Weidengebüsch und nasse Wiesen. Weiter vom Wasser entfernt liegen feuchte Dünentäler, kalkarme Heide, trockene Dünengrasländer und offene Sandflächen. Auf engem Raum wechseln sich dadurch sehr unterschiedliche Lebensräume ab.
Ein außergewöhnlicher Wasserhaushalt
Ein entscheidender Unterschied zu vielen anderen Festlandsdünen besteht darin, dass das Zwanenwater nie zur Trinkwassergewinnung genutzt wurde. Anderswo haben künstliche Wasserentnahme und Infiltration den natürlichen Wasserhaushalt tiefgreifend verändert. Hier blieben die Schwankungen von Regen- und Grundwasser deutlich besser erhalten. Dadurch konnten feuchte Täler und nährstoffarme Vegetationen großflächig fortbestehen.
Die beiden Seen gehören zu den größten natürlichen Dünenseen Westeuropas. An ihren Ufern wachsen Schilf, Großseggen, Schneide und Weiden. Die Schneide bildet dichte Bestände aus hohen, scharfkantigen Blättern. Zwischen Röhricht und Moor leben Blaukehlchen, Schilfrohrsänger, Bartmeise, Wasserralle und Rohrdommel; Rohrweihen jagen niedrig über der Vegetation. Kormorane brüten in Kolonien, während Löffler im flachen Wasser nach kleinen Fischen und anderen Wassertieren suchen.
Außerhalb der Brutzeit werden die Seen zu wichtigen Rastplätzen für Enten. Pfeifenten, Löffelenten, Schnatterenten und Reiherenten sammeln sich auf dem offenen Wasser, in kalten Perioden können auch Gänsesäger erscheinen. Weitere Wasservögel nutzen das Gebiet auf dem Zug entlang der nahen Nordseeküste als Zwischenstation.
Von Orchideen bis zur Zauneidechse
Die feuchten Dünentäler sind mindestens ebenso bemerkenswert wie die Seen. Im Mai und Juni können Breitblättriges Knabenkraut und Übersehenes Knabenkraut hier zu Tausenden blühen. Später folgen Sumpf-Herzblatt und andere Arten, die auf sauberes, nährstoffarmes Grundwasser angewiesen sind. In stärker versauerten und entkalkten Bereichen wachsen Glockenheide, Krähenbeere und Torfmoose. Schon wenige Zentimeter Höhenunterschied können darüber entscheiden, wie lange ein Standort feucht bleibt und welche Pflanzen dort vorkommen.
Ohne Pflege würden offene Täler und Heide allmählich mit hohen Gräsern, Gebüsch und Bäumen zuwachsen. Deshalb werden Teile des Gebiets gemäht, beweidet oder geplaggt. Das Schnittgut wird abtransportiert, damit der Boden nährstoffarm bleibt; an ausgewählten Stellen darf Sand wieder wandern. Ziel ist nicht, die gesamte Landschaft offen zu halten, sondern die Vielfalt zu bewahren, von der seltene niedrig wachsende Vegetationen abhängen.
Auch offene Sandflächen und zeitweilige Tümpel sind wertvolle Lebensräume. Zauneidechsen sonnen sich an warmen Übergängen zwischen kahlem Boden und niedriger Vegetation. Kreuzkröten nutzen flache Gewässer in den Tälern; an milden Frühlingsabenden ist ihr rollender Ruf weithin zu hören. Libellen, Schmetterlinge, Bienen und Schwebfliegen profitieren vom engen Nebeneinander von Wasser, Schutz und blütenreichen Dünengrasländern.
Eine Landschaft im Wechsel der Jahreszeiten
Die Wanderwege halten bewusst Abstand zu den empfindlichsten Pflanzenstandorten und Brutkolonien. Beobachtungshütten und Aussichtspunkte ermöglichen Blicke über die Seen, ohne rastende Vögel ständig zu stören. Der Zugang ist kostenpflichtig. Eine Führung ist nicht erforderlich, festes Schuhwerk jedoch empfehlenswert, da Teile der Wege nass, locker oder uneben sein können.
Der Charakter des Zwanenwaters verändert sich im Laufe des Jahres deutlich. Im zeitigen Frühjahr bestimmen bleiches Schilf, offenes Wasser und kahle Dünen das Bild. Im Mai und Juni folgen Orchideen und intensiver Vogelgesang. Das Sumpf-Herzblatt blüht später im Sommer, und im August färben sich Teile der Heide violett. Im Herbst und Winter gewinnen die Seen für Enten und andere Wintergäste zunehmend an Bedeutung.
Von den höheren Dünen aus wird der Aufbau der gesamten Landschaft sichtbar. Im Westen liegt die Nordsee, im Osten der Polder. Dazwischen wechseln sich offene Sandflächen, Heide, feuchte Täler, Schilfmoor und dunkle Wasserflächen ab. Weil diese Lebensräume so dicht beieinanderliegen, finden Löffler, Orchideen, Kreuzkröten und Zauneidechsen innerhalb desselben Schutzgebiets geeignete Bedingungen.
Das Zwanenwater ist deshalb weit mehr als zwei schöne Seen. Die Röhrichte erzählen von Verlandung, Orchideen weisen auf sauberes Grundwasser hin, Heide kennzeichnet alte entkalkte Dünen und offene Sandflächen zeigen, dass sich die Landschaft weiterhin erneuert. Zusammen bilden sie eine seltene Süßwasser-Dünenlandschaft unmittelbar hinter der Nordseeküste.
Was ist wann zu sehen?
Die Monate zeigen, wann eine Beobachtung am wahrscheinlichsten ist. Natur bleibt unberechenbar.
Breitblättriges Knabenkraut und Übersehenes Knabenkraut
Im Mai und Juni können Tausende rosa, violette und rotviolette Orchideen die gemähten feuchten Dünentäler färben. Der genaue Blühzeitpunkt hängt von Wasserstand, Temperatur und Pflege ab.
Sumpf-Herzblatt
Die weißen, fein geäderten Blüten erscheinen später als die meisten Orchideen. Das Sumpf-Herzblatt wächst vor allem an feuchten, nährstoffarmen Standorten, die von sauberem Grundwasser beeinflusst werden.
Glockenheide und Krähenbeere
Im Sommer und Spätsommer färben sich Teile der alten, kalkarmen Dünen violett. Glockenheide bevorzugt feuchte Standorte, während Krähenbeere auch trockenere, entkalkte Dünen besiedelt.
Löffler
Löffler können auf Inseln und an ruhigen Ufern brüten oder rasten. Im flachen Wasser bewegen sie ihren flachen Schnabel seitlich hin und her, um kleine Fische und andere Wassertiere aufzuspüren.
Kormoran
GanzjährigKormorane sind fast das ganze Jahr über auf und an den Seen zu beobachten. Im Frühjahr fallen besonders die Brutkolonie, hin- und herfliegende Vögel und Tiere mit ausgebreiteten Flügeln auf.
Blaukehlchen
Ab April singen die Männchen aus Schilf, niedrigen Weiden und Moorgebüsch. Blaukehlchen sind häufig zuerst zu hören und zeigen sich manchmal nur kurz auf einem Halm oder Strauch.
Rohrdommel
Rohrdommeln bleiben meist tief in ausgedehnten Röhrichten verborgen. Im Frühjahr kann ihr tiefer, weithin tragender Balzruf über dem Wasser zu hören sein. Einen Vogel im Flug zu sehen, bleibt Glückssache.
Bartmeise
GanzjährigBartmeisen bewegen sich flink und geschickt durch die unteren Bereiche der Röhrichte. Ihre charakteristischen pingenden Rufe verraten oft eine kleine Gruppe, noch bevor die Vögel selbst zu sehen sind.
Pfeifente und Löffelente
Ab dem Spätsommer und besonders im Herbst und Winter sammeln sich Enten auf den großen Seen. Pfeifenten rasten häufig in Gruppen, während Löffelenten mit ihren breiten Schnäbeln Nahrung aus dem Wasser filtern.
Gänsesäger
In kalten Winterperioden können Gänsesäger auf den offenen Seen erscheinen. Die schlanken, langgestreckten Enten tauchen aktiv nach Fischen.
Kreuzkröte
An milden Abenden kann aus flachen Tümpeln in den feuchten Dünentälern der lang anhaltende, rollende Ruf der Kreuzkröte erklingen. Die Tiere selbst bleiben meist zwischen niedriger Vegetation und Sand verborgen.
Zauneidechse
Zauneidechsen sonnen sich an geschützten, sonnigen Dünenhängen und an offenen Sandstellen. Gehen Sie ruhig und achten Sie besonders auf Übergänge zwischen niedriger Vegetation und kahlem Boden.