Überflutete Straßen und Häuser in Wieringerwerf nach der Überflutung im April 1945

Die Niederlande und das Wasser

Wieringermeer und der Deichbruch von 1945

An der Noorderdijkweg sind die Kolke, der gebogene Wiederherstellungsdeich und der Dijkgatbos sichtbare Spuren der Überflutung der Wieringermeer im April 1945.

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Foto: Willem van de Poll

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Warum hierher?

An der Noorderdijkweg zeigt die Landschaft selbst, was im April 1945 geschah. Der wiederhergestellte IJsselmeerdeich macht hier einen auffälligen Bogen um zwei tiefe Kolke. Dahinter liegt der Dijkgatbos auf Sand, der während des Deichbruchs im Polder abgelagert wurde.

Was ist zu sehen?

Du siehst ein würfelförmiges Denkmal, die gebogene Linie des wiederhergestellten Deiches, zwei große Kolke und den Dijkgatbos. Die geradlinige Agrarlandschaft ringsum steht in starkem Gegensatz zu den unregelmäßigen Wasserflächen, dem Relief und den Bäumen. Vom Deich aus sind zugleich das IJsselmeer und die tiefer liegende Wieringermeer zu sehen.

Warum ist dieser Ort besonders?

Die Wieringermeer ist ein außergewöhnliches Beispiel für Land, das dem Wasser zweimal abgewonnen werden musste. Die erste Trockenlegung war ein wichtiger Bestandteil der Zuiderzeewerke. Die absichtliche Überflutung von 1945 zeigte, wie verletzlich selbst ein modern geplanter Polder blieb, sobald seine schützende Deichlinie geöffnet wurde.

Die Geschichte dieses Ortes

Ein junger Polder aus der Zuiderzee

Die Wieringermeer war der erste große Polder der Zuiderzeewerke. Als die Pumpwerke Lely und Leemans das Gebiet 1930 trockenlegten, entstand nicht nur neues Agrarland, sondern eine sorgfältig entworfene Landschaft. Straßen, Wasserwege, Bauernhöfe und Dörfer waren bereits geplant, bevor die ersten Bewohner eintrafen.

Für viele Pioniere bedeutete der Polder einen Neuanfang. Hier wurde erstmals in großem Maßstab sichtbar, dass die Niederlande das Wasser nicht nur zurückhalten, sondern sogar neues Land schaffen konnten. Wieringerwerf, Middenmeer und Slootdorp entstanden auf dem Grund der ehemaligen Zuiderzee. Bauernfamilien begannen neu, Kinder besuchten neue Schulen und entlang der geraden Straßen entwickelte sich langsam ein Alltag, der wenige Jahre zuvor noch undenkbar gewesen wäre. Gerade deshalb wirkte das Geschehen im April 1945 wie ein gewaltiger Rückschritt.

Als das Wasser zurückkehrte

Am 17. April 1945 mussten die Bewohner den Polder verlassen. Die deutsche Besatzungsmacht sprengte den IJsselmeerdeich an zwei Stellen. Das Wasser brach mit enormer Kraft durch die Öffnungen und vergrößerte die Bruchstellen rasch.

Nach Augenzeugenberichten verschwanden gerade Straßen und Äcker innerhalb kurzer Zeit unter einer einzigen großen Wasserfläche. Bauernhöfe wurden zu kleinen Inseln und fünfzehn Jahre Pionierarbeit schienen in zwei Tagen verloren. Fast die gesamte Wieringermeer stand unter Wasser, und viele Bewohner verloren Haus, Maschinen, Ernte und Zukunft. Als sie später zurückkehrten, fanden sie keine vertraute Polderlandschaft vor, sondern ein leeres und beschädigtes Gebiet, aus dem nur Dächer, Bäume und höhere Stellen herausragten.

Eine zweite Trockenlegung

Unmittelbar nach der Befreiung begann der Wiederaufbau. Weil das einströmende Wasser tiefe Kolke ausgeschürft hatte, konnte der alte Deich nicht einfach auf seiner ursprünglichen geraden Linie repariert werden. Stattdessen wurde ein neuer Deich in einem sanften Bogen um die Wasserflächen gelegt. Diese Kurve ist bis heute deutlich sichtbar.

Nachdem der Deich am 5. August 1945 wieder geschlossen worden war, nahmen die Pumpwerke ihre Arbeit erneut auf. Am 11. Dezember fiel die Wieringermeer zum zweiten Mal trocken. Danach begann die langwierige Wiederherstellung von Bauernhöfen, Straßen, Feldern und Dörfern. Die Bewohner mussten nicht nur ihre Häuser, sondern auch ihren Alltag neu aufbauen. Dass ein vollständiger Polder zunächst dem Meer abgewonnen, dann absichtlich überflutet und anschließend erneut trockengelegt wurde, macht diesen Ort in der niederländischen Wasserbaugeschichte einzigartig.

Eine Landschaft, die die Geschichte bewahrt

Der Sand, der während des Deichbruchs hinter dem Deich abgelagert wurde, blieb größtenteils liegen. Später entstand auf diesem Boden der Dijkgatbos. So entwickelte sich mitten im streng geplanten Agrarpolder eine unerwartete Landschaft aus Bäumen, Relief, Wasser und geschwungenen Wegen. Die beiden tiefen Kolke sind bis heute die Narben des Deichbruchs.

Wer heute an der Noorderdijkweg entlanggeht, erlebt vor allem Ruhe. Radfahrer ziehen vorbei, Vögel fliegen dicht über das Wasser und der Dijkgatbos wirkt, als hätte er schon immer hier gelegen. Erst wenn du dem Bogen des Deiches folgst und den Höhenunterschied zwischen IJsselmeer und Polder bemerkst, wird die Geschichte sichtbar. Die Wieringermeer erzählt nicht nur von Krieg und Wiederaufbau, sondern auch von einer Landschaft, die dem Wasser zweimal abgewonnen wurde. Damit gehört dieser Ort zu den greifbarsten Wasser- und Kriegslandschaften der Niederlande.

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