Die Geschichte dieses Ortes
Ein trüber See ohne weiche Ufer
Vom Ufer aus wirkt das Markermeer wie eine große offene Wasserfläche, doch unter der Oberfläche hatte der See lange mit einem hartnäckigen Problem zu kämpfen. Nach der Fertigstellung des Houtribdijks im Jahr 1976 wurde das Markermeer vom IJsselmeer getrennt. Die natürliche Bewegung von Wasser und Sediment veränderte sich stark.
Große Mengen feinen Schlicks blieben im Wasser in Schwebe und wurden bei starkem Wind immer wieder vom Grund aufgewirbelt. Das Wasser wurde trüb, Wasserpflanzen erhielten wenig Licht und allmähliche Übergänge zwischen tiefem Wasser, Flachwasser, Ufern und Sumpf fehlten fast vollständig.
Neue Natur aus Schlick des Sees
Marker Wadden entstand als Antwort auf diese ökologische Verarmung. Der Ausgangspunkt war ungewöhnlich: nicht nur bestehende Natur zu schützen, sondern mit wasserbaulichen Techniken neue Voraussetzungen für Natur zu schaffen. 2016 begannen Natuurmonumenten, Rijkswaterstaat und Boskalis mit der Anlage der ersten Inseln. Schließlich entstand ein Archipel aus sieben Inseln.
Die Inseln wurden größtenteils aus Material aufgebaut, das aus dem Markermeer selbst stammt. Sand bildete feste Außenränder, Strände und Unterwasserdämme. Innerhalb dieser Begrenzungen wurden feinerer Ton und große Mengen Schlick eingebracht. Auf diese Weise wurden Dutzende Millionen Kubikmeter Schlick neu genutzt. Material, das zuvor als dicke Schicht auf dem Seegrund lag, wurde so zum Baustoff für Schlickflächen, Rinnen, Flachwasser, Sümpfe und Inseln.
Land über und unter Wasser
Nicht jeder Rand wurde gleich hart gestaltet. An den Seiten, an denen Wind und Wellen am stärksten auftreffen, schützen sandige Ränder und Strände das nasse Inselinnere. Dahinter liegen geschützte Becken, Rinnen und flache Zonen, in denen das Wasser ruhiger ist und Schwebstoffe absinken können.
Die Inseln unterbrechen außerdem die lange offene Wasserfläche, über die sich Wellen aufbauen können. Dadurch entstand nicht nur Land über Wasser, sondern vor allem eine abwechslungsreichere Landschaft direkt unter und rund um die Wasseroberfläche. Die sichtbaren Inseln bilden nur den obersten Teil eines viel größeren Systems.
Eine Landschaft, die lebt und sich bewegt
Flaches und relativ warmes Wasser bietet Fischen Raum zum Laichen und Aufwachsen. Wo Licht den Grund erreicht, können sich Wasserpflanzen ansiedeln. Kleine Wassertiere, Insektenlarven und Muscheln finden in geschützten, schlickreichen Zonen Nahrung und bilden ihrerseits eine Nahrungsquelle für Fische und Vögel.
Die Veränderung ist auch mit bloßem Auge sichtbar. Schilf, Sumpfpflanzen und andere Pionierarten erschienen auf dem frischen Sediment. Flussseeschwalben, Säbelschnäbler, Löffler und viele andere Wasser- und Sumpfvögel fanden dort Ruhe und Nahrung. An windigen Tagen rauscht das Schilf, Wellen schlagen gegen den Sandrand und Vögel verschwinden immer wieder hinter niedrigen Inselrücken.
Doch nichts bleibt hier genau gleich. Schlick verdichtet sich, Rinnen verändern ihre Form und Stürme können sandige Ufer angreifen. Manche Zonen bleiben offen und schlickig, andere wachsen langsam zu. Menschen bestimmten die Ausgangsform, doch Wasser, Wind, Pflanzen und Tiere schreiben die Landschaft weiter.
Marker Wadden besuchen und verstehen
Die Hafeninsel bildet die zugängliche Vorderseite des Archipels. Ein kleiner Hafen ermöglicht die Anreise mit der Fähre, dem eigenen Boot oder einem Charterboot. Vom Hafen aus führen Wanderwege an einem Sandstrand, niedrigen Dünen, Röhrichten, Schlickfeldern und nassen Senken vorbei. Beobachtungshütten und Sichtschirme ermöglichen es, Tiere zu beobachten, ohne die Ruhezonen zu betreten.
Der Aussichtsturm Steltloper bietet den deutlichsten Überblick. Vom Turm aus werden die einzelnen Inseln, Wasserläufe und geschwungenen Grenzen zwischen Sand, Schilf, Schlick und offenem Wasser sichtbar. Vom Boden aus wirken diese Zonen wie einzelne Landschaftsteile. Von oben wird deutlich, dass sie gemeinsam ein Muster aus Übergängen bilden.
Marker Wadden ist keine Trockenlegung im traditionellen Sinn. Es gibt keinen Ringdeich, hinter dem das Wasser abgepumpt wurde. Es entstanden weder Äcker noch Straßen oder dauerhafte Wohngebiete. Nasse, schlickige, bewegliche und zeitweise überflutete Zonen gelten hier gerade als wertvoll.
Das wichtigste Bauwerk ist nicht das Besuchergebäude oder der Aussichtsturm, sondern die vollständige Kombination aus Sanddämmen, Schlickfeldern, Rinnen, Ufern und Flachwasser. Marker Wadden zeigt, dass neues Land nicht nur gebaut werden kann, um Wasser zurückzudrängen. Hier wurde Land geschaffen, um der Natur im und am Wasser wieder mehr Raum zu geben.