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Die Niederlande unter deinen Füßen
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Die Niederlande und das Wasser

Marker Wadden

Mitten im Markermeer liegt eine Inselgruppe, deren Anlage erst 2016 begann. Marker Wadden besteht aus Sand, Ton und Millionen Kubikmetern Schlick vom Grund des Sees. Das Projekt sollte kein trockenes Agrarland schaffen, sondern Flachwasser, natürliche Ufer, Röhrichte, Schlickflächen und Laichplätze für Fische. Wind, Wellen, Vegetation und sich setzender Schlick formen die Landschaft weiter. Nur die Hafeninsel ist zugänglich. Dort zeigen Strände, Beobachtungshütten, Röhrichte und erhöhte Wege, wie Wasserbau und Naturwiederherstellung ineinandergreifen.

Die Niederlande und das WasserWasserbauwerkeNaturinselLandschaft
Junge Insel von Marker Wadden mit Sandufer, Flachwasser und Flevoland am Horizont
Eine junge Insel von Marker Wadden mit Blick nach Osten und Flevoland im Hintergrund. Die aktuelle Commons-Datei ist ein Ausschnitt der ursprünglichen Aufnahme.Foto: Milliped; Ausschnitt: Saschaporsche, über Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0Änderungen: Die aktuelle Commons-Version wurde von Saschaporsche zugeschnitten.

Warum hierher?

Marker Wadden zeigt aus nächster Nähe, wie aus Sand, Ton und Schlick eine vollständig neue Wasserlandschaft aufgebaut wurde. Auf der Hafeninsel liegen ein fester sandiger Außenrand, geschützte Schlickfelder, Rinnen, Flachwasser und Röhrichte dicht nebeneinander. Beobachtungshütten und der Aussichtsturm Steltloper ermöglichen Blicke über das nasse Inselinnere und die übrigen Inseln. Die Überfahrt gehört zum Erlebnis: Das Gebiet ist nur per Boot erreichbar und erfordert deshalb mindestens einen halben Tag. Eine Führung ist nicht nötig, doch für die reguläre Fähre und den Inselbesuch fallen Kosten an und es gelten saisonale Fahrtage.

Was sieht man?

Zu sehen sind ein kleiner Hafen, ein Besuchergebäude, ein Sandstrand, niedrige Dünen, Röhrichte, Schlickflächen, Rinnen und ausgedehnte Flachwasserzonen. Vom Steltloper sind die einzelnen Inseln und die geschwungenen Grenzen des nassen Innenbereichs gut erkennbar. Entlang der Wanderwege liegen mehrere Beobachtungshütten und Sichtschirme. Außerhalb der Hafeninsel und der ausgewiesenen Wege bleibt das Gebiet unzugänglich, damit Vögel, Fische und andere Tiere möglichst ungestört bleiben.

Warum ist dieser Ort wichtig?

Marker Wadden kehrt die traditionelle niederländische Form der Landgewinnung um. Das neue Land soll Wasser nicht dauerhaft ausschließen und weder Ackerland noch Bauflächen schaffen. Die Inseln wurden vielmehr angelegt, um allmähliche Übergänge zwischen offenem Wasser, Flachwasser, Schlickflächen, Sumpf und trockenem Sand zu schaffen. Baggertechnik wird damit zur Wiederherstellung von Wasserqualität, Lebensräumen und Nahrungsnetzen eingesetzt. Das Projekt zeigt zugleich, dass angelegte Natur nie einfach fertig ist: Schlick setzt sich, Ufer erodieren und Sumpfgebiete müssen beobachtet, repariert und gelegentlich erneut aufgefüllt werden.

Die größere Geschichte

Vom Ufer erscheint das Markermeer als große offene Wasserfläche, doch unter der Oberfläche litt der See lange unter einem hartnäckigen Problem. Nach der Fertigstellung des Houtribdijks im Jahr 1976 wurde das Markermeer vom IJsselmeer getrennt. Die natürliche Bewegung von Wasser und Sediment veränderte sich stark. Feiner Schlick blieb in Schwebe und wurde bei starkem Wind immer wieder vom Boden aufgewirbelt. Das Wasser wurde trüb, Wasserpflanzen erhielten wenig Licht und allmähliche Übergänge zwischen tiefem Wasser, Flachwasser, Ufern und Sumpf fehlten fast vollständig.

Marker Wadden entstand als Antwort auf diese ökologische Verarmung. Der Ausgangspunkt war ungewöhnlich: Nicht nur bestehende Natur sollte geschützt werden, sondern Wasserbautechnik sollte neue Voraussetzungen für Naturentwicklung schaffen. 2016 begannen Natuurmonumenten, Rijkswaterstaat und Boskalis mit der Anlage der ersten Inseln. Schließlich entstand ein Archipel aus sieben Inseln. Zusammen mit der umgebenden Unterwasserlandschaft umfasst die erste Phase etwa 1.300 Hektar.

Die Inseln wurden größtenteils aus Material des Markermeers selbst aufgebaut. Sand bildete feste Außenränder, Strände und Unterwasserdämme. Innerhalb dieser Begrenzungen wurden feiner Ton und große Mengen Schlick eingebracht. Rund 35,6 Millionen Kubikmeter Schlick erhielten so eine neue Funktion. Material, das zuvor als dicke Schicht auf dem Seegrund lag, wurde zum Baustoff für Schlickflächen, Rinnen, Flachwasser, Sümpfe und Inseln.

Nicht jeder Rand wurde als gleich harte Barriere gestaltet. Sandige Säume und Strände schützen das nasse Inselinnere an den Seiten, die Wind und Wellen am stärksten ausgesetzt sind. Dahinter liegen geschützte Becken, Rinnen und Flachwasserzonen, in denen das Wasser ruhiger ist und Schwebstoffe absinken können. Die Inseln verkürzen außerdem den Weg, über den sich Wellen aufbauen. So entstand nicht nur Land über Wasser, sondern vor allem eine abwechslungsreichere Landschaft unmittelbar unter und an der Wasseroberfläche.

Diese Unterwasserlandschaft bildet den Kern von Marker Wadden. Viele Fische benötigen flaches und relativ warmes Wasser zum Laichen oder Aufwachsen. Wasserpflanzen können sich leichter ansiedeln, wenn ausreichend Licht den Boden erreicht. Muscheln, Insektenlarven und kleine Wasserorganismen profitieren von schlickreichen und geschützten Bereichen. Sie dienen wiederum Fischen und Vögeln als Nahrung. Die sichtbaren Inseln sind daher nur der oberste Teil eines wesentlich größeren ökologischen Systems.

Die Naturentwicklung setzte an vielen Stellen schnell ein. Schilf, Sumpfpflanzen und andere Pionierarten besiedelten das frische Sediment. Flussseeschwalben, Säbelschnäbler, Löffler und viele andere Wasser- und Sumpfvögel fanden Nahrung, Ruhe- und Brutplätze. Nicht jeder Bereich entwickelt sich jedoch auf dieselbe Weise. Manche Flächen bleiben offen und schlickig, während andere dicht mit Schilf oder anderer Vegetation bewachsen werden.

Die Landschaft bleibt zudem physisch in Bewegung. Schlick verdichtet sich und sinkt langsam ab. Wind und Sturmwellen können sandige Ränder beschädigen. Rinnen verändern ihre Form und Wasserstände bestimmen, welche Bereiche trockenfallen oder überflutet werden. Unterhaltung und Reparatur sind daher keine Zeichen eines misslungenen Entwurfs. Sie gehören zu einem Projekt, in dem Naturentwicklung und Wasserbau von Beginn an als ein einziges veränderliches System betrachtet wurden.

Die Hafeninsel bildet die zugängliche Seite des Archipels. Ein kleiner Hafen ermöglicht die Anreise mit Fähre, eigenem Boot oder Charter. Wanderwege führen vom Hafen an Sandstrand, niedrigen Dünen, Röhrichten, Schlickfeldern und nassen Senken vorbei. Beobachtungshütten und Sichtschirme ermöglichen die Beobachtung von Tieren, ohne die Ruhezonen zu betreten.

Der Aussichtsturm Steltloper bietet den deutlichsten Überblick. Von dort werden die einzelnen Inseln, Wasserläufe und geschwungenen Grenzen zwischen Sand, Schilf, Schlick und offenem Wasser sichtbar. Vom Boden aus können diese Bereiche wie einzelne Landschaftsteile wirken. Von oben wird deutlich, dass sie gemeinsam ein Muster aus Übergängen bilden.

Gebäude und Besuchereinrichtungen wurden bewusst um Hafen und Wanderwege konzentriert. Das wichtigste Bauwerk ist nicht das Besuchergebäude oder der Aussichtsturm, sondern die vollständige Kombination aus Sanddämmen, Schlickfeldern, Rinnen, Ufern und Flachwasser. Die Grenze zwischen gebauter und spontaner Entwicklung ist schwer zu bestimmen. Menschen legten die Ausgangsform fest, doch Wasser, Wind, Pflanzen und Tiere verändern sie ständig.

Marker Wadden ist keine Trockenlegung im traditionellen Sinn. Es gibt keinen Ringdeich, hinter dem das Wasser abgepumpt wurde. Es entstanden weder Felder und Straßen noch dauerhafte Wohngebiete. Nasse, schlickige, bewegliche und zeitweise überflutete Zonen gelten hier gerade als wertvoll. Das neue Land muss nicht vollständig trocken oder unveränderlich bleiben, sondern darf sich unter dem Einfluss von Sediment und Wasser weiterentwickeln.

Achte vom Steltloper besonders auf die Abfolge der Höhen. Offenes Wasser wird allmählich flacher, darauf folgen Schlickflächen, Sumpfpflanzen, Schilf und höherer Sand. Gerade solche Übergänge fehlten an großen Teilen des Markermeers. Marker Wadden zeigt deshalb, dass neues Land nicht nur geschaffen werden kann, um Wasser zurückzudrängen. Hier wurde Land gebaut, um der Wassernatur mehr Raum zu geben.

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