Die Geschichte dieses Ortes
Vom Moorland zur Insel
Marken liegt heute als Halbinsel im Markermeer, doch Landschaft und Bebauung wurden in den Jahrhunderten geprägt, in denen der Ort vollständig von der Zuiderzee umgeben war. Niedrige Wiesen, der schmale Deich und erhöhte Wohnbereiche zeigen, dass das Leben hier stets mit dem Wasserstand verbunden war.
Im frühen Mittelalter gehörte das Gebiet noch zur Moorlandschaft des Waterlands. Entwässerung ließ den Boden absinken, während Sturmfluten und Abtragung das offene Wasser vergrößerten. Wahrscheinlich wurde Marken im 12. Jahrhundert vom Festland getrennt. Von da an lag eine verletzliche Insel in einer wachsenden Zuiderzee.
Friesische Mönche des Klosters Mariëngaarde besaßen im 13. und 14. Jahrhundert Land und Bauernhöfe auf Marken. Sie errichteten niedrige Deiche und versuchten, Landwirtschaft und Viehzucht aufrechtzuerhalten. Der Boden blieb jedoch niedrig und die Schutzanlagen boten keine vollständige Sicherheit. Überflutungen gehörten zum Leben auf der Insel.
Wohnen auf erhöhten Wohnhügeln
Die Bewohner suchten Sicherheit, indem sie ihre Wohnplätze erhöhten. Diese künstlichen Wohnhügel heißen auf Marken nicht Terpen, sondern Werven. Kerkbuurt und Kloosterwerf gehörten zu den frühesten größeren Siedlungen. Entlang der Verbindungswege und an anderen geeigneten Stellen entstanden später weitere Werven, darunter Rozewerf, Witte Werf und Grotewerf.
Im Laufe der Jahrhunderte entstanden auf Marken zahlreiche Werven. Einige verschwanden durch Küstenabtrag, andere wurden aufgegeben oder gingen in späterer Bebauung auf. Die Grote Kloosterwerf verschwand vollständig im Wasser südlich der Insel.
Die Häuser standen dicht beieinander auf den höchsten Teilen der Wohnhügel. Sicheres Bauland war knapp und jeder nutzbare Quadratmeter zählte. Schmale Wege, kleine Grundstücke und die unregelmäßige Stellung der Häuser entstanden nicht nach einem geplanten Straßennetz, sondern durch wiederholte Anpassung, Erweiterung und Verdichtung.
Holzhäuser und Bauen auf Pfählen
Als die Werven im 19. Jahrhundert vollständig bebaut waren, entstanden neue Häuser an ihren Hängen. Teile dieser Gebäude ruhten auf Holzpfählen, damit die Wohnböden über dem Hochwasser lagen. Der Raum unter den Häusern blieb zunächst offen oder wurde später geschlossen. So entstand die typische Kombination aus Holzfassaden, Höhenunterschieden, engen Durchgängen und Häusern, die nicht überall unmittelbar auf dem umliegenden Boden stehen.
Holz war vergleichsweise leicht und deshalb für den Bau auf weichem Moorboden und an den Rändern der Werven geeignet. Viele Fassaden wurden grün oder dunkel gestrichen und erhielten weiße Details. Einzeln wirken die Häuser schlicht, gemeinsam bilden sie kompakte Wohnbereiche, in denen sicheres Wohnen wichtiger war als breite Straßen, große Grundstücke oder eine regelmäßige Anlage.
Die tieferen Flächen außerhalb der Werven dienten hauptsächlich als Wiesen und Heuland. Landwirtschaft wurde durch Salz und wiederkehrende Überflutungen immer schwieriger. Die Fischerei gewann daher an Bedeutung. Männer fuhren vom Hafen auf die Zuiderzee hinaus, während Familien und Handwerker auf den dicht bebauten Werven lebten und arbeiteten.
Die Sturmflut von 1916
Der Deich um Marken blieb anfällig. Starke Nordweststürme konnten das Wasser hoch gegen die Insel drücken. In der Nacht vom 13. auf den 14. Januar 1916 überspülte eine Sturmflut die Deiche und drang in die Wohngebiete ein. Sechzehn Menschen kamen auf Marken ums Leben. Häuser wurden beschädigt und Bewohner suchten auf den Werven, in oberen Stockwerken und auf Dachböden Schutz.
Die Katastrophe von 1916 verstärkte den politischen Druck, die Zuiderzee abzuschließen. 1932 wurde der Abschlussdeich fertiggestellt. Das salzige Gezeitenwasser um Marken verwandelte sich allmählich in das süßere und ruhigere IJsselmeer. Die unmittelbare Sturmflutgefahr nahm stark ab, während die traditionelle Zuiderzeefischerei einen großen Teil ihrer wirtschaftlichen Grundlage verlor.
Von der Insel zur Halbinsel
Nach den Planungen sollte Marken schließlich Teil des neuen Markerwaardpolders werden. Dafür wurden Deiche begonnen, die die frühere Inselwelt mit neuem Land und dem Festland verbinden sollten. Der Bukdijk in Richtung Volendam blieb unvollendet, die westliche Verbindung mit Waterland wurde jedoch fertiggestellt.
Am 17. Oktober 1957 wurde der Verbindungsdamm zwischen Marken und Waterland geschlossen. Damit war Marken geografisch keine Insel mehr. Die Straße über den Damm wurde später fertiggestellt; ab 1959 war Marken tatsächlich auf dem Landweg erreichbar und die jahrhundertelange Abhängigkeit von Bootsverbindungen nahm ab. Die frühere Inselgrenze blieb dennoch sichtbar: Der schmale Damm führt als lange Linie durch das Wasser, bevor die Bebauung beginnt.
Die Werven verschwanden nach dem Abschluss der Zuiderzee nicht aus der Landschaft. Obwohl ihre Funktion als Zuflucht über dem Sturmflutwasser abnahm, bestimmten sie weiterhin die Form des Dorfes. Im 20. Jahrhundert wurden die grünen Holzhäuser, geschlossenen Wege und Höhenunterschiede zunehmend als besonderes Kulturerbe geschätzt.
Marken wurde früh zu einem Ziel für Künstler, Fotografen, Forscher und Touristen. Sie kamen wegen Tracht, Fischerkultur, Hafen und Holzhäusern. Dieses Bild machte den Ort berühmt, konnte aber verdecken, dass die Bebauung nicht als malerische Kulisse entworfen worden war. Werven und Pfahlhäuser waren praktische Antworten auf eine niedrige, nasse und gefährliche Umwelt.
Ein großer Teil von Marken ist als geschütztes Dorfbild ausgewiesen. Im Mittelpunkt steht nicht ein einzelnes Denkmal. Der Wert liegt im Zusammenhang zwischen erhöhten Werven, Holzhäusern, schmalen Wegen, offenen Wiesen, Deich und früherer Inselform. Gerade dieses Zusammenspiel macht die Geschichte von Wasser und Wohnen sichtbar.
Gehe vom Hafen in Richtung Kerkbuurt und achte darauf, wie die Wege allmählich ansteigen. Sieh dir anschließend bei Rozewerf oder Grotewerf den Übergang zwischen dem höher gelegenen Wohnviertel und dem niedrigen Grasland an. Marken erzählt daher nicht in erster Linie vom Schaffen neuen Landes, sondern vom Weiterleben auf Land, das ständig vom Wasser bedroht war. Die Bewohner veränderten nicht den ganzen See. Sie passten ihre Häuser, Viertel, Baumaterialien und Lebensgrundlagen an, bis die Insel im 20. Jahrhundert selbst Teil der großen Veränderungen rund um die ehemalige Zuiderzee wurde.