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Die Niederlande und das Wasser

Hondsbossche Dünen

Zwischen Camperduin und Petten war die nordholländische Dünenkette jahrhundertelang unterbrochen. Hier hielt keine natürliche Dünenlandschaft die Nordsee zurück, sondern die harte Hondsbossche und Pettemer Seedeichanlage. Als dieser Deich die modernen Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfüllte, wurde er nicht erneut erhöht. In den Jahren 2014 und 2015 wurden vor dem alten Seedeich rund 35 Millionen Kubikmeter Sand aufgespült. So entstand eine neue Küste mit Stränden, Dünen, Lagunen und jungen Lebensräumen. Der alte Deich blieb hinter dem Sand liegen, während eine breite und bewegliche Küstenzone die erste Kraft des Meeres aufnahm.

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Die Lagune, der Strand und die jungen Hondsbossche Dünen bei Camperduin
Die Lagune bei Camperduin, Teil der Strand- und Dünenlandschaft, die 2014 und 2015 vor der früheren Hondsbossche Seedeichanlage angelegt wurde.Foto: dronepicr, über Wikimedia Commons, CC BY 2.0Änderungen: Keine Änderungen.

Warum hierher?

Hier lassen sich bei einem einzigen Spaziergang zwei grundverschiedene Formen des Küstenschutzes verstehen. Bei Camperduin liegen eine Lagune, junge Dünen und ein breiter Strand vor der geraden Linie des früheren Seedeichs. Die neue Sandküste verläuft weiter nach Norden bis Petten. Das Gebiet ist über Strandzugänge sowie Wander- und Radwege frei zugänglich. Eine Führung oder Eintrittskarte ist nicht erforderlich, doch erst die Bewegung durch das Gebiet macht den Unterschied zwischen altem Deich und neuer Küste wirklich deutlich.

Was sieht man?

Bei Camperduin blickt man über die Lagune, den breiten Strand und die jungen Dünen. Nach Norden erstreckt sich eine kilometerlange Sandküste bis Petten. Zwischen Strand und Hinterland liegen Dünenrücken, feuchte Senken, Strandhafer und Wege. Auf der Landseite ist die frühere Hondsbossche Seedeichanlage weiterhin als langer und gerader Grasdeich erkennbar. Von höheren Dünenpunkten wird deutlich, dass Strand und neue Dünen vor dieser älteren Verteidigungslinie angelegt wurden.

Warum ist dieser Ort wichtig?

Die Hondsbossche Dünen zeigen einen grundlegenden Wandel im niederländischen Küstenschutz. Jahrhundertelang wurde diese Schwachstelle mit Holz, Ton, Stein, Basalt und einem immer schwereren Deich verteidigt. Im 21. Jahrhundert entschied man sich für eine breite Sandküste, die Wellenenergie aufnimmt und sich unter dem Einfluss von Wind und Meer verlagern darf. Der frühere Seedeich verlor seine primäre Funktion, während davor neues Land, neue Lebensräume und Erholungsflächen entstanden. Die wiederkehrenden Sandaufspülungen zeigen zugleich, dass auch diese weichere Verteidigung dauerhaftes Management erfordert.

Die größere Geschichte

Zwischen Camperduin und Petten fehlte jahrhundertelang etwas, das entlang fast der gesamten nordholländischen Nordseeküste selbstverständlich erscheint: eine breite natürliche Dünenkette. Gerade hier lag das Hinterland offen zur See. Wo andernorts Sand, Wind und Vegetation ein Dünensystem bildeten, musste eine von Menschen errichtete Seedeichanlage die Wellen zurückhalten.

Die Küstenlinie lag früher weiter im Westen. Im Mittelalter befanden sich vor der heutigen Küste Dünen, Strände und bewohntes Land. Sturmfluten, Wellenschlag und fortlaufender Abtrag verschoben die Grenze zwischen Land und Meer immer weiter nach Osten. Siedlungen verschwanden oder wurden landeinwärts verlegt. Auch Petten musste im Laufe der Zeit mehrfach vor dem Wasser zurückweichen.

An dieser Schwachstelle entstand allmählich ein System aus Deichen und verstärkten Dünen. Die Verwaltung übernahm das Hoogheemraadschap van de Hondsbossche en Duinen tot Petten. Deichgrafen, Vorstandsmitglieder, Aufseher und Arbeiter waren für einen Küstenabschnitt verantwortlich, dessen Fortbestand nie selbstverständlich war. Der Name Hondsbossche verwies auf das verschwundene Gebiet Hondsbos oder Hondsbosch. Die Seedeichanlage bewahrte damit den Namen eines Landes, das das Meer bereits genommen hatte.

Die Verteidigung wurde zunehmend schwerer. Holzpfähle, Reisig, Ton und Stein sollten verhindern, dass die Wellen den Deich beschädigten. Später kamen Basaltbekleidungen und Buhnen hinzu, die Strömung und Sandtransport beeinflussen sollten. Nach jedem schweren Sturm folgten Inspektionen, Reparaturen und häufig eine weitere Erhöhung oder Verbreiterung.

Die Hondsbossche und Pettemer Seedeichanlage bildete schließlich eine etwa sechs Kilometer lange harte Unterbrechung zwischen den Dünen von Schoorl und den Dünen nördlich von Petten. Der Deich lag fast unmittelbar am Meer. Es gab kaum Strand und bei Sturm schlugen die Wellen gegen die Steinbekleidung des Außentaluds. Der schwere und geradlinige Deichkörper kontrastierte stark mit den beweglichen Dünen an beiden Enden.

Die Sturmflut vom 1. Februar 1953 zeigte, dass selbst ein hoher und schwer befestigter Deich verwundbar blieb. Seine Krone lag ungefähr 8,5 Meter über NAP, dennoch liefen Wellen darüber hinweg. Teile der Arbeitsbahn wurden fortgerissen und bei Camperduin verschwanden rund 1.500 Quadratmeter Basaltbekleidung. Um Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg entstanden tiefe Ausspülungen.

Nach 1953 wurde der Deich erneut verstärkt. Besondere Aufmerksamkeit erhielt bei Camperduin der Übergang zwischen der harten Seedeichanlage und den angrenzenden Dünen. Der Deich ragte dort weiter ins Meer als die Sandküste daneben. Solche Übergänge können durch Strömung und Wellenschlag besonders stark erodieren. Trotzdem blieb der Seedeich noch mehrere Jahrzehnte lang der wichtigste Schutz des Hinterlands.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts erfüllte die Hondsbossche und Pettemer Seedeichanlage die neuen gesetzlichen Sicherheitsanforderungen nicht mehr. Sie wurde als Schwachstelle der niederländischen Küste eingestuft. Eine traditionelle Lösung lag nahe: den bestehenden Deich erneut erhöhen, verbreitern und mit weiterem Stein und Asphalt verstärken. Dadurch wäre die harte Barriere noch größer geworden, während der abrupte Übergang zwischen Deich und Düne bestehen geblieben wäre.

Stattdessen entschied man sich für einen Eingriff auf der Seeseite. Vor dem alten Deich sollte ein vollständig neues Strand- und Dünengebiet entstehen. Nicht eine noch höhere Wand aus Ton, Stein und Asphalt, sondern eine gewaltige Sandmenge sollte künftig die erste Kraft von Wellen und Sturmfluten aufnehmen. Die Verteidigungslinie verschob sich dadurch Hunderte Meter nach Westen.

In den Jahren 2014 und 2015 brachten Baggerschiffe rund 35 Millionen Kubikmeter Sand aus der Nordsee an die Küste. Hopperbagger entnahmen das Material aus ausgewiesenen Gewinnungsgebieten. Über Leitungen und Sprühsysteme wurde der Sand auf Meeresboden, Strand und neuen Dünen verteilt. Wo die See früher direkt gegen den Deich schlug, entstanden eine breite Vorstrandzone, ein langer Strand und neue Dünenrücken.

Der Sandkörper wurde nicht als unbewegliches Bauwerk entworfen. Bei schweren Stürmen dürfen Teile des Strandes und der vorderen Dünen abgetragen werden. Der freigesetzte Sand verschwindet nicht zwangsläufig aus dem gesamten Küstensystem, sondern kann auf dem Vorstrand liegen bleiben oder durch Wind und Wellen erneut verlagert werden. Erosion ist daher nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass die Wasserwehr versagt. Sie gehört bis zu einem gewissen Grad zu ihrer Funktion.

Das Projekt diente nicht nur der Hochwassersicherheit. Die neue Landschaft erhielt verschiedene Formen und Funktionen. Bei Camperduin entstand hinter einer Sandzunge eine Lagune. An anderen Stellen kamen breite Strände, feuchte Dünentäler, hohe Rücken und ruhige Naturzonen hinzu. Wander-, Rad- und Reitwege erschlossen das Gebiet. Ein Küstenabschnitt, der zuvor vor allem aus einem Deich bestand, verwandelte sich in eine weiträumige Landschaft.

Strandhafer und andere Pionierpflanzen helfen, den lockeren Sand festzuhalten. Gleichzeitig bleibt Raum für natürliche Verwehung. Der Wind trägt Sand vom Strand in Richtung Dünen, wo er von der Vegetation aufgefangen wird. In tieferen Bereichen sammelt sich zeitweise Wasser und es entstehen feuchte Lebensräume. Auf höheren Rücken bestimmen Trockenheit, Salz und Flugsand, welche Pflanzen sich ansiedeln können.

Die frühere Hondsbossche Seedeichanlage blieb hinter dem neuen Dünengebiet liegen. Sie verschwand nicht, verlor jedoch 2016 ihre primäre Schutzfunktion. Auf der Landseite ist ihr Verlauf noch immer als langer und gerader Grasdeich erkennbar. Dadurch liegen zwei Generationen des Küstenschutzes nebeneinander: eine feste harte Grenze und eine breite Sandzone, die sich bewegen darf.

Die neue Küste erhält sich nicht vollständig ohne menschliche Hilfe. Seit ihrer Anlage veränderten sich Strand und Vorstrand an einigen Stellen schneller als erwartet. Besonders bei Camperduin und Petten verlagern Strömung und Wellen große Sandmengen. Rijkswaterstaat ergänzt das Küstenfundament deshalb regelmäßig mit neuen Aufspülungen. Dabei wird Sand auf den Strand oder auf den Meeresboden vor der Küste gebracht.

Eine Vorstrandsaufspülung funktioniert anders als die einfache Erhöhung eines Deiches. Der Sand wird unter Wasser abgelagert und anschließend durch Wellen und Strömung weiter verteilt. Ein Teil bewegt sich allmählich in Richtung Strand und Dünen. Die Verteidigung ist daher kein fertiges Objekt, das nur noch kontrolliert werden muss, sondern ein Küstensystem, das regelmäßig mit neuem Material versorgt wird.

Bei Camperduin lässt sich die Abfolge von Alt und Neu besonders gut lesen. Vorne liegt die Nordsee. Dahinter folgen Strand, junge Dünen, Lagune und feuchte Senken. Weiter landeinwärts verläuft der gerade ehemalige Seedeich. Auf wenigen hundert Metern liegen damit offene See, eine Küstenlinie aus dem Jahr 2015 und eine viele Jahrhunderte alte Deichgeschichte hintereinander.

Achte besonders auf die Lage des alten Deiches. Wer nur über den Strand und durch die jungen Dünen läuft, könnte leicht glauben, diese Küste habe schon immer so ausgesehen. Erst wenn der gerade Grasdeich hinter dem Sand sichtbar wird, erkennt man, wie weit die Küstenlinie nach außen verschoben wurde. Die Hondsbossche Dünen stehen damit nicht für eine Wahl zwischen Technik oder Natur. Die gesamte Landschaft ist entworfener Wasserbau, doch Wind, Meer, Sand und Vegetation dürfen sich innerhalb dieses Entwurfs ständig weiterbewegen.

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