Die Geschichte dieses Ortes
Floris V und der Kampf um Westfriesland
Im späten 13. Jahrhundert versuchten die Grafen von Holland, ihre Herrschaft über die noch unabhängigen Westfriesen auszudehnen. Dabei ging es nicht um einen einfachen Grenzkonflikt. Es ging um Land, Handelswege und die Kontrolle über ein Gebiet, in dem lokale Gemeinschaften lange außerhalb des direkten Zugriffs der holländischen Macht geblieben waren.
Für Floris V hatte dieser Kampf auch eine persönliche Bedeutung. Sein Vater, Graf Wilhelm II., war 1256 während eines Feldzugs gegen die Westfriesen ums Leben gekommen. Der Überlieferung zufolge brach er mit seinem Pferd durch das Eis und wurde anschließend getötet. Floris wuchs mit dem Verlust seines Vaters und mit der politischen Notwendigkeit auf, dessen Herrschaft wiederherzustellen.
Seit den 1270er Jahren erhöhte Floris erneut den Druck auf Westfriesland. Eine schwere Überschwemmung im Jahr 1287 isolierte mehrere Gebiete und erschwerte gemeinsamen Widerstand. In den folgenden Jahren mussten immer mehr Gemeinschaften seine Herrschaft anerkennen.
Eine Burg, die kaum fünfzehn Jahre bestand
Bei Wijdenes ließ Floris wahrscheinlich um 1282 eine Backsteinburg errichten. Die Lage am Wasser ermöglichte die Kontrolle über Schifffahrt und Küstenverkehr. Die Burg diente als Stützpunkt für Soldaten und Verwalter und machte die holländische Präsenz in einem Gebiet sichtbar, in dem diese Herrschaft keineswegs selbstverständlich war.
Die Festung bestand wahrscheinlich weniger als fünfzehn Jahre. Nach dem Tod von Floris V im Jahr 1296 veränderte sich die politische Lage rasch. Die Westfriesen nutzten ihre Chance und erzwangen die Übergabe mehrerer Befestigungen. Auch die Burg bei Wijdenes wurde aufgegeben.
Das Bauwerk wurde anschließend gezielt abgetragen. Wie viel Baumaterial entfernt oder anderswo wiederverwendet wurde, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass die Burg nicht als Ruine stehen blieb. Die Steine verschwanden und das Gelände verlor seine militärische Funktion.
Wie die Küste die Burgstelle verschluckte
Die Burgstelle lag nahe an der damaligen Küste. In den folgenden Jahrhunderten veränderte sich diese Küstenlinie ständig. Stürme und Abtragung nahmen Land weg, während Deiche weiter landeinwärts angelegt werden mussten.
Dadurch verschwand nicht nur die Burg, sondern schließlich auch das Gelände, auf dem sie gestanden hatte. Was einst ein strategischer Ort an Land war, kam auf dem Grund des späteren Markermeers zu liegen.
Dieses doppelte Verschwinden macht Wijdenes besonders. Zuerst wurde die Burg von Menschen abgetragen. Danach entzog auch das Wasser die ehemalige Standfläche dem Blick.
Die Suche unter dem Markermeer
Historiker und Archäologen suchten lange nach der genauen Lage der Burg. Alte Texte verwiesen auf Wijdenes, nannten jedoch keinen exakten Ort. Auch die ersten Untersuchungen unter Wasser brachten keine ausreichende Gewissheit.
Neue Messmethoden änderten das. Sonar und andere Untersuchungen des Gewässerbodens machten auffällige Strukturen sichtbar. Tauchuntersuchungen blieben schwierig, weil unter Wasser fast nichts zu erkennen war. Doch die Kombination aus Messungen, Funden und Lage passte zu dem, was Forscher an dieser Stelle von einer mittelalterlichen Burg erwarteten.
Im August 2025 gaben die Forscher bekannt, dass sie den Ort überzeugend mit der verschwundenen Burg von Wijdenes verbinden. Nicht jede Frage ist damit beantwortet, doch der Zusammenhang zwischen den Resten, den historischen Quellen und der Küstenlage ist stark.
Was heute noch bleibt
Vom Deich aus sind keine Mauern, Gräben oder Höhenunterschiede zu sehen. Die Burgstelle liegt unerreichbar auf dem Grund des Markermeers. Dennoch ist der Ort nicht leer. Die heutige Wasserlinie zeigt gerade, wie viel Land hier seit dem Mittelalter verschwunden ist.
Stellen Sie sich von der Omringdijk aus einen Landstreifen vor, der weiter ins Wasser hineinragte. Dort stand weniger als fünfzehn Jahre lang eine Burg, bevor sie übergeben und schließlich abgetragen wurde. Zurück blieb keine Ruine über der Erde, sondern ein Ort, an dem sich politische Geschichte und eine veränderte Landschaft buchstäblich überlagern.