Fast vergessen
De Nollen bei Den Helder
Am Rand von Den Helder liegt eine Binnendünenlandschaft, die lange zwischen Zuständigkeiten, Nutzung und Aufmerksamkeit verschwand. Dort gab es Bunker, Wildwuchs, Lagerflächen, Wasserstellen und Grundstücke, auf die die Stadt kaum achtete. Ab 1980 begann der Künstler R.W. van de Wint hier an einer Landschaft aus Stahl, Farbe, Wegen, bemalten Räumen und alten militärischen Resten zu arbeiten. De Nollen wirkt dadurch weder wie ein gewöhnlicher Park noch wie ein gewöhnliches Museum, sondern wie ein Gelände, in dem Vernachlässigung, Kriegsspuren und Vorstellungskraft ineinandergewachsen sind.

Warum hierher?
Zwischen niedrigen Dünen, Bunkern, Wasserflächen und Stahlformen ist noch spürbar, dass dieses Gelände einst ein ausgefranster Stadtrand war. Die alten militärischen Strukturen wurden nicht entfernt oder geglättet, sondern in eine langsam aufgebaute Landschaft aufgenommen. So geht man durch einen Ort, an dem Restland, Kriegserbe und Kunst nicht nebeneinander stehen, sondern sich ständig berühren.
Was sieht man?
Zu sehen ist eine wellige Binnendünenlandschaft nahe dem Bahnhof Den Helder Zuid, mit Wasserflächen, Wildwuchs, Wegen, Cortenstahlformen, bemalten Bunkern und architektonischen Bauten. Das Gelände wird meist unter Führung besucht. Die Kunstwerke stehen nicht losgelöst in der Landschaft, sondern sind mit Dünen, Licht, Bewuchs, Höhenunterschieden und alten militärischen Strukturen verwoben.
Warum ist dieser Ort wichtig?
De Nollen bewahrt einen Teil von Den Helder, der leicht durch Aufräumung, Neubau oder saubere Umgestaltung hätte verschwinden können. Die Bunker, Dünenreste und rauen Flächen sind Teil der Geschichte geblieben. R.W. van de Wint machte daraus keine glatte Rekonstruktion, sondern nutzte gerade die Rauheit des Geländes, um eine neue Landschaft entstehen zu lassen.
Die größere Geschichte
De Nollen liegt am Rand von Den Helder, wo Bahnlinien, Straßen, Bebauung und Binnendünen aufeinandertreffen. Lange Zeit hatte das Gelände einen unbestimmten Charakter. Niedrige Dünen, Wasser, Wildwuchs, Bunker und Lagerflächen lagen verstreut, doch wenig deutete auf ein zusammenhängendes Ganzes hin. Es war weder ein klassisches Naturgebiet noch ein erkennbares Denkmal oder ein gestalteter Park.
Ab 1980 begann der Künstler R.W. van de Wint hier zu arbeiten. Er stellte nicht einfach Skulpturen in die Landschaft, sondern machte die Landschaft selbst zu einem Teil seiner Kunst. Boden, Wasser, Bunker, Wege, Höhenunterschiede und Licht wurden in ein langsam wachsendes Ganzes aufgenommen.
De Nollen lässt sich deshalb nicht auf einen Blick erfassen. Niedrige Dünen und Gras bilden die erste Schicht. Danach erscheinen rotbraune Stahlformen, bemalte Räume und halb in der Erde versunkene Bunker. Der Ort funktioniert nicht wie ein Museumssaal mit einzelnen Objekten, sondern wie eine Landschaft, in der jede Kurve und jeder veränderte Standpunkt etwas Neues sichtbar macht.
Die militärischen Reste sind ein wichtiger Teil dieser Landschaft. Die Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg wurden weder entfernt noch getrennt als Kriegsdenkmäler präsentiert. Van de Wint nahm sie in sein Werk auf. An manchen Stellen bleiben sie klar als betonierte Verteidigungsbauten erkennbar. Anderswo werden sie zu dunklen Räumen, Trägern von Farbe oder schweren Formen in den Dünen.
Ihre Bedeutung verändert sich, ohne dass ihre Vergangenheit verschwindet. Die Bunker bleiben Überreste des Krieges und werden zugleich Teil einer neuen Kunstlandschaft. Beton, Sand, Stahl, Farbe, Gras und Wasser stehen nicht als getrennte Schichten nebeneinander, sondern greifen ineinander.
Auch die Binnendünen bestimmen, wie De Nollen erlebt wird. Eine Nol ist eine niedrige Düne oder sandige Erhebung. Diese kleinen Wellen lenken Sichtachsen und lassen Kunstwerke auftauchen und wieder verschwinden. Das Gelände ist keine flache Fläche, auf der Kunst aufgestellt wurde. Die Bewegung durch die Landschaft ist Teil des Werks.
Viele Formen bestehen aus Cortenstahl. Unter dem Einfluss von Regen, Wind, Salz und Zeit entwickelt das Material eine rotbraune Oberfläche. Diese Farbe passt zu Sand, Dünengras und verwittertem Beton. Im starken Sonnenlicht kann sich der Stahl scharf gegen den Himmel abzeichnen, während er an einem grauen Tag fast in den Boden zurückzusinken scheint.
Farbe spielt eine ebenso große Rolle. Van de Wint arbeitete als Maler, Bildhauer und Baumeister. Manche Innenräume wirken wie Gemälde, die man betreten kann. Andere Arbeiten verhalten sich wie Mauern, Tunnel oder Zeichen in der Landschaft. Die Grenze zwischen Malerei, Skulptur und Architektur beginnt zu verschwimmen.
De Nollen wurde Van de Wints Lebenswerk. Über viele Jahre baute, malte und veränderte er weiter. Die Landschaft erhielt nie eine endgültige, abgeschlossene Form. Sie wirkt noch immer in Bewegung, als würden Wind, Rost, Bewuchs und Licht die Arbeit fortsetzen.
Nach seinem Tod im Jahr 2006 blieb das Gelände als zusammenhängender Nachlass bestehen. Stichting De Nollen verwaltet das Gebiet und macht es unter Begleitung zugänglich. Diese begrenzte Form des Besuchs passt zum Charakter des Ortes. Seine Bedeutung liegt nicht nur in einzelnen Werken, sondern im Verhältnis zwischen Wegen, Räumen, Sichtachsen und Landschaft.
Der alte ausgefranste Stadtrand ist nicht vollständig verschwunden. Die Vegetation bleibt rau, die Wege verlaufen unregelmäßig und Betonmassen ragen manchmal unerwartet aus dem Sand. Der Ort wurde sorgfältig gestaltet, aber nicht geglättet. Dadurch bleibt die Geschichte des Geländes spürbar.
Auch Den Helder klingt in De Nollen mit. Die Stadt wurde von Meer, Marine, Krieg, Bahnlinien, Kanälen und Wiederaufbau geprägt. In De Nollen kehren diese Elemente als Wind, Sand, Beton, Stahl und offene Fläche zurück. Die militärische Vergangenheit wurde hier nicht in einem traditionellen Denkmal festgehalten, sondern in eine Landschaft verwandelt.
Der Ort enthält deshalb mehrere Leben. Er war Dünengrund, militärisches Gelände, vernachlässigter Stadtrand, Lagerfläche, Atelier und Arbeitsplatz. Heute ist er eine Kunstlandschaft, in der diese älteren Schichten weiterhin vorhanden sind.
Die großen Stahlarbeiten ziehen den Blick an, sind aber nicht wichtiger als Bunker, Wasserflächen, niedrige Dünen und raue Vegetation. Erst in ihrer Verbindung wird deutlich, was Van de Wint hier geschaffen hat: keine Sammlung von Skulpturen, sondern eine Landschaft, in der Kriegsreste und Kunst einander weiterhin beeinflussen.
De Nollen zeigt, dass ein schwieriger Ort nicht sauber bereinigt werden muss, um neue Bedeutung zu erhalten. Die Bunker wurden nicht ausgelöscht und der Dünengrund wurde nicht in einen ordentlichen Park verwandelt. Die Rauheit blieb bestehen und wurde Teil des Werks.
De Nollen ist deshalb mehr als ein Kunstort. Es ist eine alte Randlandschaft, die ein zweites Leben erhielt, ohne ihre Vergangenheit zu verlieren. In rostendem Stahl, Gras am Beton, niedrigen Dünen und offenem Himmel verbinden sich Krieg, Vernachlässigung, Kunst und Wiederbelebung.
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