Die Landschaft von De Nollen bei Den Helder mit Gras, Wasser, Dünenrelief und Kunstwerken von R.W. van de Wint

Fast vergessen

De Nollen bei Den Helder

Am Rand von Den Helder liegt De Nollen, eine Binnendünenlandschaft, in der Bunker, Wasser, Wildwuchs und Kunst ineinandergreifen. Ab 1980 arbeitete der Künstler R.W. van de Wint hier an einem lebenslangen Gesamtkunstwerk. Das Ergebnis ist kein Skulpturengarten, sondern eine Landschaft, die sich beim Gehen langsam erschließt.

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Foto: Lars van der Heide

Credit: Foto: Lars van der Heide, über Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

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Warum hierherkommen?

De Nollen zeigt, wie ein vernachlässigter Stadtrand ein neues Leben erhalten kann, ohne seine Rauheit zu verlieren. Man geht zwischen niedrigen Dünen, Bunkern, Wasser und großen Stahlformen, die gemeinsam ein Kunstwerk bilden. Die Verbindung von Kriegserbe, Landschaft und zeitgenössischer Kunst macht den Ort außergewöhnlich.

Was ist zu sehen?

Zu sehen sind sanft gewelltes Dünengelände, wilde Vegetation, Wasserflächen, Bunker, Formen aus Cortenstahl und bemalte Innenräume. Kunstwerke erscheinen und verschwinden hinter Höhenunterschieden und Bewuchs. Das Gelände wird meist geführt besucht, wodurch Route, Licht und Sichtlinien Teil der Erfahrung werden.

Warum besonders?

De Nollen ist keine Sammlung einzelner Kunstwerke, sondern eine vollständige Landschaft, in der jede Schicht Bedeutung trägt. Bunker und rauer Dünenboden wurden nicht beseitigt, sondern in das Werk von R.W. van de Wint aufgenommen. So bleiben Krieg, Vernachlässigung, Kunst und Erneuerung gleichzeitig präsent.

Die Geschichte dieses Ortes

Ein Stadtrand wird Kunstlandschaft

De Nollen liegt am Rand von Den Helder, wo Bahn, Straßen, Bebauung und Binnendünen aufeinandertreffen. Das Gelände hatte lange einen unbestimmten Charakter. Es gab niedrige Dünen, Wasser, Wildwuchs, Bunker und Lagerflächen, doch kaum etwas deutete auf ein zusammenhängendes Ganzes hin. Es war weder ein klassisches Naturschutzgebiet noch ein erkennbares Denkmal oder gestalteter Park.

Ab 1980 begann der Künstler R.W. van de Wint hier zu arbeiten. Er stellte nicht einfach Skulpturen in die Landschaft, sondern machte die Landschaft selbst zu einem Teil seiner Kunst. Boden, Wasser, Bunker, Wege, Höhenunterschiede und Licht wurden zu einem langsam wachsenden Ganzen verbunden.

De Nollen lässt sich deshalb nicht auf einen Blick verstehen. Niedrige Dünen und Gras bilden die erste Schicht. Danach erscheinen rostbraune Stahlformen, bemalte Räume und halb in der Erde verschwundene Bunker. Der Ort funktioniert nicht wie ein Museumssaal mit einzelnen Objekten, sondern wie eine Landschaft, in der jede Kurve und jeder neue Blickwinkel etwas anderes sichtbar macht.

Bunker ohne abgeschlossenes Vergangenheitsbild

Die militärischen Reste sind ein wichtiger Bestandteil dieser Landschaft. Die Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg wurden weder entfernt noch als eigenständige Kriegsdenkmäler präsentiert. Van de Wint nahm sie in sein Werk auf. Manchmal bleiben sie klar als betonierte Verteidigungsbauten erkennbar, an anderen Stellen werden sie zu dunklen Räumen, Farbträgern oder schweren Formen in den Dünen.

Ihre Bedeutung verändert sich, ohne dass ihre Vergangenheit verschwindet. Die Bunker bleiben Überreste des Krieges und werden zugleich Teil einer neuen Kunstlandschaft. Beton, Sand, Stahl, Farbe, Gras und Wasser liegen nicht als getrennte Schichten nebeneinander, sondern greifen ineinander.

Auch die Binnendünenlandschaft bestimmt, wie De Nollen erlebt wird. Eine Nol ist eine niedrige Düne oder eine sandige Erhebung. Solche kleinen Wellen lenken Sichtachsen und lassen Kunstwerke erscheinen und wieder verschwinden. Das Gelände ist keine flache Grundlage, auf die Kunst gestellt wurde. Die Bewegung durch die Landschaft gehört zum Werk.

Stahl, Farbe und Bewegung

Viele Formen bestehen aus Cortenstahl. Unter dem Einfluss von Regen, Wind, Salz und Zeit erhält der Stahl eine rotbraune Oberfläche. Diese Farbe passt zu Sand, Strandhafer und verwittertem Beton. Im hellen Sonnenlicht kann das Material scharf vor dem Himmel stehen, während es an einem grauen Tag fast in den Boden zurückzusinken scheint.

Farbe spielt eine ebenso große Rolle. Van de Wint arbeitete als Maler, Bildhauer und Baumeister. Manche Innenräume wirken wie Gemälde, die man betreten kann. Andere Werke verhalten sich wie Mauern, Tunnel oder Zeichen in der Landschaft. Die Grenze zwischen Malerei, Skulptur und Architektur löst sich auf.

De Nollen wurde Van de Wints Lebenswerk. Über Jahre hinweg baute, malte und veränderte er weiter. Das Gelände erhielt dadurch keine endgültige, abgeschlossene Form. Es wirkt noch immer in Bewegung, als würden Wind, Rost, Vegetation und Licht die Arbeit fortsetzen.

Ein Lebenswerk, das weiterwuchs

Nach seinem Tod im Jahr 2006 blieb das Gelände als Ganzes erhalten. Stichting De Nollen verwaltet das Gebiet und ermöglicht geführte Besuche. Diese Art des Besuchs passt zum Charakter des Ortes. Seine Bedeutung liegt nicht nur in einzelnen Werken, sondern im Zusammenspiel von Routen, Räumen, Sichtachsen und Landschaft.

Der raue Charakter des alten Stadtrands ist dabei nicht vollständig verschwunden. Die Vegetation bleibt wild, Wege verlaufen unregelmäßig und Betonmassen ragen manchmal unerwartet aus dem Sand. Der Ort wurde sorgfältig geformt, aber nicht geglättet. Gerade dadurch bleibt seine Geschichte spürbar.

Ein zweites Leben für einen schwierigen Ort

Auch die Geschichte von Den Helder klingt in De Nollen nach. Die Stadt wurde von Meer, Marine, Krieg, Eisenbahnlinien, Kanälen und Wiederaufbau geprägt. In De Nollen kehren diese Elemente als Wind, Sand, Beton, Stahl und offene Fläche zurück. Die militärische Vergangenheit ist hier nicht in einem traditionellen Denkmal festgeschrieben, sondern in eine Landschaft verwandelt.

In De Nollen kommen daher mehrere Lebensphasen des Geländes zusammen. Es war Dünenboden, Militärgelände, vernachlässigter Stadtrand, Lagerplatz, Atelier und Arbeitsort. Heute ist es eine Kunstlandschaft, in der diese älteren Schichten weiterhin vorhanden sind.

Die großen Stahlwerke ziehen Aufmerksamkeit auf sich, sind aber nicht wichtiger als die Bunker, Wasserflächen, niedrigen Dünen und die raue Vegetation. Erst in ihrem Zusammenspiel wird deutlich, was Van de Wint hier schuf: keine Sammlung von Skulpturen, sondern eine Landschaft, in der Kriegsreste und Kunst sich weiterhin gegenseitig beeinflussen.

De Nollen zeigt, dass ein schwieriger Ort nicht ordentlich beseitigt werden muss, um neue Bedeutung zu erhalten. Die Bunker wurden nicht ausgelöscht und der Dünenboden nicht in einen gepflegten Park verwandelt. Die Rauheit blieb bestehen und wurde Teil des Werkes.

Darum ist De Nollen mehr als ein Kunstort. Es ist eine alte Randlandschaft, die ein zweites Leben erhielt, ohne ihre Vergangenheit zu verlieren. In rostendem Stahl, Gras an Beton, niedrigen Dünen und offenem Himmel kommen Krieg, Vernachlässigung, Kunst und Erneuerung zusammen.

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