Ortsansicht in Velsen-Zuid in der Umgebung der römischen Fundstellen

Verschwundene Orte

Castellum Flevum, das verschwundene Römerlager bei Velsen

Zu Beginn des 1. Jahrhunderts lagen bei Velsen zwei römische Militärbasen am Oer-IJ. Heute ist oberirdisch fast nichts mehr davon zu erkennen. Velsen 1 war ein befestigter Hafenkomplex, der meist mit dem von Tacitus erwähnten Castellum Flevum verbunden wird. Velsen 2 war ein wesentlich größeres Heerlager.

©

Foto: Gerard Hogervorst (Gmhogervorst)

Credit: Foto: Gerard Hogervorst, Benutzername Gmhogervorst in der niederländischsprachigen Wikipedia, über Wikimedia Commons, CC BY 1.0 NL

Lizenz: CC BY 1.0 NL

Änderungen: Keine Änderungen.

Quelle ansehen

Warum hierher?

Bei Velsen lagen zwei römische Militärbasen an einem Ort, der heute kaum noch an die Antike erinnert. Velsen 1 verfügte nicht nur über Befestigungen und Baracken, sondern auch über einen außergewöhnlich umfangreichen Hafenkomplex mit Stegen, Uferbefestigungen und vermutlich Bootshäusern. In der Nähe entstand später Velsen 2, ein mindestens elf Hektar großes Heerlager, in dem Tausende Soldaten untergebracht werden konnten. Die Funde erzählen von Soldaten, Schifffahrt, Versorgung, Kontakten mit den Friesen und einem gewaltsamen Angriff. Oberirdisch ist fast nichts zu erkennen. Gerade der Gegensatz zwischen der modernen Verkehrslandschaft und den umfangreichen römischen Resten im Boden macht den Ort besonders.

Was ist zu sehen?

Zu sehen ist die heutige Landschaft von Velsen-Zuid mit Straßen, Tunneln, Grünstreifen und Bebauung. Von den römischen Basen ist oberirdisch fast nichts zu erkennen. Die Reste verteilen sich über eine Landschaft, die sich seit der Römerzeit grundlegend verändert hat. Das Oer-IJ versandete, später kamen der Nordseekanal, Industrie, Straßen und Tunnel hinzu.

Warum ist dieser Ort besonders?

Velsen zeigt, wie wichtig die nordholländische Küstenzone für Rom war. Der Hafen von Velsen 1 gilt als außergewöhnlicher frührömischer Hafenkomplex in Nordwesteuropa. Der Angriff des Jahres 28 zeigt zugleich, dass sich die Friesen aktiv gegen römischen Zwang wehrten. Velsen 2 weist auf noch größere militärische Ambitionen hin, auch wenn die genaue Funktion dieses Lagers weiterhin untersucht wird.

Die Geschichte dieses Ortes

Ein römischer Hafen am Oer-IJ

Zu Beginn des 1. Jahrhunderts sah die Umgebung von Velsen ganz anders aus. Das Oer-IJ bildete eine breite Wasserverbindung zwischen dem Hinterland und der Nordsee. An den Ufern lagen fruchtbare Böden, auf denen friesische Gemeinschaften lebten, Vieh hielten und Felder bestellten.

Für die Römer war diese Wasserstraße strategisch. Schiffe konnten aus den Flusssystemen von Rhein und Vecht zum Oer-IJ fahren. Um das Jahr 14 wurde hier eine befestigte Militärbasis angelegt, die heute Velsen 1 genannt wird.

Das Wasser begrenzte einen Teil des Lagers und war zugleich für seine Funktion entscheidend. Hölzerne Stege, Uferbefestigungen und vermutlich Bootshäuser machten Velsen 1 nicht nur zu einem Fort, sondern auch zu einem Hafenkomplex, an dem Schiffe anlegen, gewartet und versorgt werden konnten.

Archäologen fanden Waffen, Schuhe, Werkzeuge, Holzgegenstände und Abfälle. Zusammen zeigen diese Funde, wie Soldaten hier lebten, arbeiteten und den Verkehr über das Wasser organisierten.

Castellum Flevum und der Friesenaufstand

Velsen 1 wird meist mit Castellum Flevum verbunden, dem Fort, das der römische Schriftsteller Tacitus erwähnt. Lage, Datierung und Gewaltspuren machen Velsen zum wahrscheinlichsten Kandidaten. Die Identifizierung ist weithin anerkannt, aber nicht direkt bewiesen.

Die Beziehungen zwischen Römern und Friesen waren zunächst auch von Handel, Diplomatie und militärischer Zusammenarbeit geprägt. Das änderte sich, als die Römer immer größere Rinderhäute verlangten. Für die Friesen wurde diese Abgabe unerfüllbar.

Im Jahr 28 brach ein Aufstand aus. Die römische Besatzung in der Region wurde angegriffen, und auch bei Velsen kam es zu schweren Kämpfen. Brandspuren, beschädigte Waffen und menschliche Überreste zeigen, wie gewaltsam die Auseinandersetzung war.

Nach dem Aufstand wurde Velsen 1 aufgegeben. Das Hafenfort verschwand, doch die Spuren des Angriffs blieben außergewöhnlich gut im Boden erhalten.

Velsen 2 und ein größerer römischer Anspruch

Nicht weit von Velsen 1 wurde später eine zweite Basis errichtet. Velsen 2 war deutlich größer und umfasste mindestens elf Hektar. Das Gelände bot Platz für eine umfangreiche militärische Besatzung.

Die Anlage weist auf Pläne für eine groß angelegte militärische Operation im Norden hin. Möglicherweise sollte das Lager als Ausgangspunkt für weitere Feldzüge entlang der Küste und in Richtung des friesischen Gebiets dienen.

Die genaue Funktion von Velsen 2 ist noch nicht vollständig geklärt. Größe und Aufbau zeigen jedoch, dass es sich um mehr als ein kleines Grenzfort handelte. Es war ein großes Heerlager mit einer wichtigen logistischen Rolle.

Auch diese Basis wurde schließlich aufgegeben. Damit endete die römische Militärpräsenz an diesem Ort.

Wie die römische Landschaft verschwand

Nach dem Abzug der Römer veränderte sich die Landschaft langsam. Das Oer-IJ versandete und verlor seine Bedeutung als breite Wasserstraße. Neue Bodenschichten bedeckten die Reste der Forts und ihrer Häfen.

Viel später veränderten der Nordseekanal, Industrie, Straßen und Tunnel das Gebiet erneut. Moderne Bauprojekte waren zugleich Bedrohung und Chance. Sie störten Teile des Bodenarchivs, brachten aber auch Reste ans Licht, die sonst verborgen geblieben wären.

Bei Arbeiten an einem deutschen Panzergraben kamen römische Scherben zum Vorschein. Spätere Ausgrabungen zeigten, wie umfangreich und außergewöhnlich die Fundstellen waren.

Was heute noch unter der Erde liegt

Oberirdisch ist von Velsen 1 und Velsen 2 fast nichts zu sehen. Die heutige Umgebung wird von Verkehr, Bebauung und Grünflächen geprägt. Unter dieser modernen Landschaft sind jedoch Teile von Befestigungen, Gebäuden, Häfen und Abfallzonen erhalten.

Die Bedeutung von Velsen liegt gerade in dieser verborgenen Größe. Hier lagen zwei aufeinanderfolgende römische Basen an einer verschwundenen Wasserstraße. Hier begegneten sich Römer und Friesen, trieben Handel und kämpften schließlich um dieselbe Küste. Unter dem modernen Velsen liegt noch immer das stille Zeugnis dieser römischen Präsenz und der darauf folgenden Auseinandersetzung.

Weiter entdecken?

Entdecken Sie weitere verschwundene Orte

Von verschwundenen Dörfern und Burgen bis zu Landsitzen und verlorenen Landschaften: Entdecken Sie, was unter oder hinter den heutigen Niederlanden verborgen blieb.

Alle verschwundenen Orte ansehen