Verschwundene Orte
Wouthuyse, verschwundener Weiler bei De Woude
Bei De Woude, am Rand des Alkmaardermeers und der Markervaart, lag der verschwundene Weiler Wouthuyse. Archäologische Untersuchungen brachten Spuren eines Hofes aus dem 17. Jahrhundert ans Licht, darunter Gebäudereste, Keramik, Bauschutt und eine Lehmplattform auf dem Torfboden. Ein Teil des Weilers scheint beim Bau der Markervaart im Jahr 1643 verschwunden zu sein. Wouthuyse blieb vor allem in Bodenspuren, alten Karten und einem Namen erhalten.

Warum hierher?
Wouthuyse erzählt nicht die große Geschichte einer versunkenen Stadt, sondern die eines kleinen verschwundenen Weilers zwischen Wasser, Torfboden und moderner Infrastruktur. Gerade dadurch wird deutlich, wie verletzlich die Besiedlung der tief liegenden Moorlandschaft war. Torfabbau, Überschwemmungen, Kanalbau und neue Verkehrsverbindungen veränderten nicht nur das Gelände, sondern ließen schließlich eine ganze Siedlung aus dem Blickfeld verschwinden.
Was sieht man?
Zu sehen ist die heutige Landschaft rund um De Woude: die Markervaart, die Fähre, die N246, offenes Polderland und das tief liegende Moorgebiet am Alkmaardermeer. Von Wouthuyse selbst ist oberirdisch kaum etwas zu erkennen. Verständlich wird der Ort durch die Lage der Fundstelle, alte Karten und das Wissen, dass unter oder neben der modernen Infrastruktur Reste von Höfen aus dem 17. Jahrhundert gefunden wurden. Eine Überfahrt mit der Fähre ist nicht erforderlich, vermittelt aber einen besseren Eindruck von der Insellage De Woudes und der umgebenden Wasserlandschaft.
Warum ist dieser Ort wichtig?
Wouthuyse steht für jene still verschwundenen Siedlungen, die weder eine Ruine noch einen Turm oder einen erkennbaren Ortskern hinterließen. Die archäologischen Funde zeigen, dass auch solche kleinen Weiler Teil der historischen Landschaft waren. Ihre Reste erzählen vom Leben auf Torfboden, vom Torfabbau, von Überschwemmungen und davon, wie Kanäle und Straßen ältere Siedlungsstrukturen durchschneiden konnten.
Die größere Geschichte
Wouthuyse war ein kleiner Weiler bei De Woude, am Rand des Alkmaardermeers und der heutigen Markervaart. Auf Karten des 17. Jahrhunderts erscheint er als bescheidene Häusergruppe in einer tief liegenden Moorlandschaft. Wasser, Gräben, empfindliche Hofstellen und Wasserwege lagen dicht beieinander. Besiedlung war nur möglich, wenn der Boden ständig entwässert, aufgeschüttet und vor Überschwemmungen geschützt wurde.
De Woude ist heute eine kleine Insel im Alkmaardermeer, die mit einer Fähre erreicht wird. Diese Insellage entstand nicht von selbst. Das Gebiet gehörte zu einer ausgedehnten Moorlandschaft, in der sich die Grenze zwischen Land und Wasser immer wieder verschob. Uferbefestigungen, Deiche, Gräben und künstliche Wasserwege bestimmten, wo Menschen wohnen und wie sie ihre Höfe erreichen konnten.
Wouthuyse lag auf einem Teil dieses Moorgebiets. Der Name könnte auf Wald oder Bruchwald auf dem nassen Boden verweisen. Torf war nicht nur ein schwieriger Baugrund, sondern auch eine Einnahmequelle. Er wurde als Brennstoff abgebaut, während Gräben das Land entwässerten. Durch die Entwässerung sank die Oberfläche ab und wurde noch anfälliger für Wasser.
Archäologische Untersuchungen im Bereich der N246 und der Zufahrt zur Fähre brachten den Weiler wieder ans Licht. Gefunden wurde kein massiver steinerner Ortskern, sondern eine Ansammlung unscheinbarerer Spuren: Gräben, Keramik, Ziegel, eine aufgeschüttete Hofstelle und Gebäudereste. Solche Funde passen gerade zu einer kleinen Siedlung in einer nassen Moorlandschaft.
Der Boden bewahrte mehrere Zeitstufen. Beim Bau der N246 waren 1957 und 1958 in der Umgebung bereits Reste einer Siedlung aus römischer Zeit gefunden worden. Sie lagen fast unmittelbar auf dem Torf und waren von grauem Ton bedeckt, den spätere Überschwemmungen abgelagert hatten. Jahrhunderte später entstanden über dieser älteren Siedlungsschicht die Höfe von Wouthuyse. Straßen und Anschlussstellen bildeten schließlich die jüngste Schicht.
Im späten Mittelalter war der Torf in langen Streifen als Brennmaterial abgebaut worden. Die zurückgebliebenen Gräben wurden später mit Ton verfüllt. Darin fanden sich vereinzelt Ziegelstücke und Keramik. Eine spätere Überschwemmungsphase hinterließ erneut eine Tonschicht. Dieser festere Untergrund wurde anschließend für neue Bebauung genutzt.
Für eines der Häuser wurde eine Plattform aus Ton angelegt. Sie enthielt Bauschutt und Keramik, die überwiegend in die Zeit um 1600 datiert werden. Auf der Plattform standen hölzerne Pfosten auf gemauerten Ziegelstützen. Außerdem wurden flache Ziegelfundamente einer Seitenwand und einer Innenwand freigelegt. Das ungefähr in Ost-West-Richtung ausgerichtete Gebäude war vermutlich dreischiffig. Die Verbindung von Holz und Ziegel war auf einem weiterhin nassen und wenig tragfähigen Untergrund zweckmäßig.
Eine Karte aus dem Jahr 1680 vermittelt ein genaueres Bild des Weilers. Ein schmaler Weg verlief ungefähr von Norden nach Süden. Auf beiden Seiten standen jeweils drei Häuser mit den Vorderseiten zum Weg. Die ausgegrabenen Reste werden wahrscheinlich mit der nordwestlichen Hofstelle dieser kleinen Gruppe verbunden. Andere Höfe können unter der heutigen Fährzufahrt liegen oder in nassem und später gestörtem Gelände verschwunden sein.
Wouthuyse bestand damit aus kaum mehr als einigen Häusern und Höfen zwischen Torf, Ton und Wasser. Es war weder Kirchort noch Marktzentrum und hinterließ nur wenige schriftliche Quellen. Das tägliche Leben war Teil eines kleinen Netzes aus Landwirtschaft, Torfabbau, Transport über Wasser und Verbindungen zu benachbarten Siedlungen.
Der Bau der Markervaart brachte eine einschneidende Veränderung. Im Jahr 1643 wurde während der Trockenlegung des Starnmeers eine neue Wasserstraße gegraben. Dadurch wurde ein Teil der Moorinsel De Woude abgetrennt. Ein Abschnitt von Wouthuyse scheint beim Kanalbau verschwunden zu sein. Die neue Wasserstraße verbesserte den Verkehr, durchschnitt aber zugleich älteres bewohntes Land.
Der Weiler verschwand wahrscheinlich nicht in einem einzigen Augenblick. Der Torfabbau hatte den Boden bereits verändert, Überschwemmungen lagerten neue Tonschichten ab und der Kanal verschob die Grenze zwischen Land und Wasser. Späterer Straßenbau und andere Eingriffe bedeckten oder beschädigten die verbliebenen Spuren. Die Funde weisen vor allem auf eine Besiedlung im 17. Jahrhundert hin, doch Keramik aus der Zeit um 1600 lässt vermuten, dass hier schon früher Häuser standen.
Oberirdisch ist Wouthuyse heute nicht mehr als Dorf zu erkennen. Die N246, die Fährzufahrt und die Markervaart bestimmen das Bild. Unter und neben dieser modernen Infrastruktur liegt jedoch der Grundriss einer älteren Landschaft. Ziegelstützen, Keramik und eine Lehmplattform markieren die Stelle eines früheren Hofes. Alte Karten ergänzen einen schmalen Weg und sechs Häuser. Zusammen zeigen diese Fragmente, dass die offene Wasser- und Polderlandschaft um De Woude einst einen kleinen Weiler umschloss, der allmählich verschwand.
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