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Besondere Natur

Naardermeer

Zwischen Amsterdam, Hilversum, Weesp und Naarden liegt das Naardermeer: ein natürlicher See mit klarem Wasser, ausgedehnten Röhrichten, Sumpfwald und nassen Wiesen. Mehrfach wurde versucht, das Gebiet trockenzulegen, und um 1900 sollte es beinahe als Müllkippe genutzt werden. Der Widerstand dagegen führte zur Gründung von Natuurmonumenten und machte das Naardermeer zu einem dauerhaften Symbol des niederländischen Naturschutzes.

Besondere NaturNatur & LandschaftSumpf und MoorseeNaturgebiet
Offenes Wasser, Schilf und Sumpflandschaft im Naardermeer
Offenes Wasser und Sumpfnatur im Naardermeer, dem ersten großen Naturgebiet, das Natuurmonumenten ankaufte.Quelle: Bildarchiv Rijkswaterstaat, Rijkswaterstaat, über Wikimedia Commons. Die Quellenangabe Rijkswaterstaat ist verpflichtend.Änderungen: Keine Änderungen.

Warum hierher?

Das Naardermeer verbindet eine artenreiche Moorlandschaft mit einem entscheidenden Kapitel des niederländischen Naturschutzes. Von Wanderwegen, Polderstraßen und Aussichtspunkten sind Röhrichte, nasse Wiesen, Sumpfwald und Teile der offenen Wasserfläche zu sehen. Eine selbstständige Wanderung ist kostenlos und erfordert keine Führung. Wer tiefer in die abgeschlossene Wasser- und Röhrichtlandschaft gelangen möchte, kann im Voraus eine kostenpflichtige Fahrt mit Elektroboot und Führung buchen.

Was sieht man?

Rund um den See wechseln sich Schilfränder, Gräben, nasse Wiesen, Sumpfwald, niedrige Kaden und offene Wasserflächen ab. Purpurreiher, Kormorane, Löffler und andere Sumpf- und Wasservögel können über dem Gebiet erscheinen. Von den Wanderwegen bleibt das eigentliche Herz des Naardermeers nur teilweise sichtbar. Die Bootsfahrt führt durch schmale Wasserläufe und über größere Seen, die von den öffentlichen Wegen aus kaum zu erkennen sind. Die Wanderwege können sehr nass sein, und auf mehreren Routen sind Hunde nicht erlaubt.

Wann sieht man was?

Wähle einen Monat und sieh, welche Tiere, Pflanzen oder Pilze dann aussichtsreich sind.

Purpurreiher

Vogel

Eine klassische Art des Naardermeers, besonders über Röhrichten, flachem Wasser und ruhigen Sumpfrändern zu suchen.

Kormoran

Vogel

Oft auf offenem Wasser, in Bäumen oder auf Pfählen zu sehen; die Art gehört seit Langem zum Vogelbild des Naardermeers.

Schilfrohrsänger

Vogel

Im Frühjahr und Sommer ist er vor allem in Schilfrändern und dicht bewachsenen Ufern zu hören, häufig eher durch seinen Gesang als durch eine Beobachtung.

Rohrschwirl

Vogel

Ein verborgener Röhrichtvogel, der sich vor allem durch seinen langen schwirrenden Gesang aus dichtem Sumpfschilf verrät.

Rohrdommel

Vogel

Nur selten gut sichtbar, doch in geeignetem Röhricht kann ihr tiefer dumpfer Ruf im Frühjahr weit über die Landschaft tragen.

Silberreiher

Vogel

Als weiße Erscheinung an flachem Wasser, nassen Wiesen und ruhigen Ufern auffällig, besonders außerhalb der Brutzeit.

Löffler

Vogel

In flachem Wasser und an nassen Rändern zu suchen, erkennbar am löffelförmigen Schnabel und der ruhigen seitlichen Bewegung bei der Nahrungssuche.

Eisvogel

Vogel

An Gräben, Ufern und geschützten Wasserläufen kann plötzlich ein blauer Blitz niedrig über das Wasser schießen.

Fischotter

Säugetier

Der Fischotter lässt sich nur selten sehen, doch sauberes Wasser, bewachsene Ufer und ruhige Verbindungen rund um das Naardermeer bieten geeigneten Lebensraum.

Fledermäuse

Säugetier

An milden Abenden können Fledermäuse entlang von Wasser, Waldrändern und geschützten Stellen jagen, an denen sich Insekten sammeln.

Krebsschere

Pflanze

Eine charakteristische Wasserpflanze klarer, pflanzenreicher Niedermoorgewässer, die im Sommer mit kräftigen Blattrosetten an der Oberfläche erscheint.

Weiße Seerose

Pflanze

Im Sommer verleihen Seerosen stillen Wasserflächen ihr typisches Bild aus schwimmenden Blättern und weißen Blüten.

Libellen

Insekt

Besonders gut über Gräben, Ufern, offenen Wasserflächen und sonnigen Schilfrändern zu beobachten, wo Wärme und Windschutz zusammenkommen.

Warum ist dieser Ort wichtig?

Das Naardermeer ist ein seltener natürlicher See am Übergang von den höheren Sandböden des Gooi zum niedrigen Moorland. Das Mosaik aus offenem Wasser, Schilf, Sumpfwald und nassem Grasland bietet charakteristischen Pflanzen und Tieren Lebensraum. Der historische Kampf gegen Trockenlegung und Müllablagerung verlieh dem Gebiet zudem eine Bedeutung weit über seine Ufer hinaus: Hier wurde Natur erstmals in großem Maßstab als unersetzliches Erbe behandelt, das gemeinschaftlichen Schutz verdiente.

Die größere Geschichte

Das Naardermeer liegt am Übergang von den höheren Sandböden des Gooi zum niedrigen Moor- und Polderland rund um die Vecht. Von den umliegenden Straßen wirkt es stellenweise wie eine weite grüne Senke. Röhrichte verdecken das Wasser, nasse Wiesen glänzen hinter niedrigen Kaden und Vögel steigen über dem Sumpf auf. Das Gebiet erscheint abgeschieden, obwohl Bahnlinien, Autobahnen und Städte nie weit entfernt sind.

Anders als viele Seen im Westen der Niederlande entstand das Naardermeer nicht durch Torfabbau. Es ist ein natürlicher See, dessen Geschichte mit Überschwemmungen, Moorbildung und den früheren Verbindungen zur Vecht und zur Zuiderzee zusammenhängt. Wasser konnte weit in das niedrige Land eindringen. Ende des 14. Jahrhunderts wurde diese Verbindung geschlossen, doch der See blieb ein feuchter Kern, der sich nur schwer beherrschen ließ.

Mehrfach versuchte man, das Naardermeer trockenzulegen. Ein See galt als ungenutzte Fläche, während ein Polder landwirtschaftlichen Boden liefern konnte. Windmühlen und später andere Techniken sollten das Wasser abführen. Der Boden senkte sich jedoch, das Wasser kehrte zurück und das Unternehmen erwies sich als teuer und störanfällig. Was auf einer Karte wie ein logisches Landgewinnungsprojekt wirkte, ließ sich in der Landschaft nicht so einfach verwirklichen. Das Naardermeer blieb bestehen.

Die gescheiterten Trockenlegungen trugen zur heutigen Mosaiklandschaft bei. Offene Seen gehen in flaches Wasser, ausgedehnte Röhrichte, nasse Heuwiesen und Sumpfwald über. In Verlandungszonen wird die offene Wasserfläche allmählich von Pflanzen eingenommen. Krebsschere und Seerosen treiben in geschützten Bereichen, während Erlen und Weiden im nassen Wald Fuß fassen. Einige Waldteile werden kaum betreten und entwickeln sich ohne reguläres Wegenetz.

Die unterschiedlichen Lebensräume ziehen eine bemerkenswerte Vogelwelt an. Der Purpurreiher ist eng mit dem Naardermeer verbunden. Vom Schilf fliegt er zu flachem Wasser und nassem Grasland, um Nahrung zu suchen. Kormorane ruhen in Bäumen oder auf Pfählen, Löffler durchsuchen mit ihren flachen Schnäbeln die seichten Ränder und die Rohrdommel bleibt meist verborgen. Ihr tiefer Ruf kann im Frühjahr weit über das Schilf tragen. Schilfrohrsänger und Rohrschwirl sind häufiger zu hören als zu sehen.

Auch im und am Wasser lebt vieles. Libellen jagen über Gräben und windgeschützten Ufern. Fische nutzen pflanzenreiche Wasserläufe, und Fledermäuse folgen am Abend den Waldrändern. Die Rückkehr des Fischotters zeigt, wie wichtig sauberes Wasser und sichere Verbindungen zu anderen Moorgebieten sind. Eine Beobachtung bleibt selten, doch Spuren am Ufer können seine Anwesenheit verraten.

Um 1900 drohte ein Eingriff, der noch weitreichender gewesen wäre als die früheren Trockenlegungen. Amsterdam suchte Raum für städtischen Abfall, und das Naardermeer wurde als möglicher Müllabladeplatz erwogen. See und Moor wären unter Abfällen und Aufschüttungen verschwunden. Natur besaß damals kaum einen eigenständigen gesetzlichen Schutz. Ein Gebiet sollte wirtschaftlich nutzbar sein oder konnte einer neuen Bestimmung weichen.

Jac. P. Thijsse und andere Naturschützer widersetzten sich dem Plan. Ihre Aktion machte deutlich, dass nicht nur Gebäude, Gemälde und historische Gegenstände Denkmäler sein konnten. Auch ein See, ein Röhricht und eine Brutkolonie stellten etwas Unersetzbares dar. 1905 wurde die Vereinigung zum Erhalt von Naturmonumenten gegründet. Kurz darauf kaufte sie das Naardermeer. Es wurde ihr erstes großes Naturgebiet und ein Vorbild für spätere Schutzmaßnahmen in anderen Teilen der Niederlande.

Der Ankauf bedeutete nicht, dass der See fortan ohne weiteres sicher und gesund blieb. Wasserqualität, Austrocknung, Stickstoffeinträge, Störung und ökologische Isolation beeinflussen das Moor weiterhin. Deshalb ist auch die Umgebung des Kerngebietes wichtig. Nasse Wiesen und neue Moorzonen in der Schil Naardermeer halten Wasser zurück, bieten Nahrungs- und Brutraum und verbinden den See besser mit der weiteren Landschaft. Pflege bedeutet, dort einzugreifen, wo es notwendig ist, und dort Ruhe zu bewahren, wo natürliche Entwicklung Raum benötigt.

Von den öffentlichen Wegen aus lässt sich das Naardermeer nur teilweise erfassen. Der Stiefelpfad und andere Wanderrouten führen an nassen Wiesen, Bohlenwegen, Gräben und Beobachtungspunkten vorbei. Die lange Route rund um das Gebiet nimmt einen erheblichen Teil des Tages in Anspruch und kann nach Regen äußerst schlammig sein. Das Wandern ist kostenlos und erfordert keine Führung. Auf mehreren Naturwegen sind Hunde nicht erlaubt, und Besucher müssen auf den markierten Routen bleiben.

Vom Elektroboot aus verändert sich die Perspektive. Mit einer Führung geht es durch schmalere Wasserläufe, an Röhrichten entlang und über Wasserflächen, die von den Straßen aus verborgen bleiben. Die Bootsfahrten sind kostenpflichtig, haben eine begrenzte Teilnehmerzahl und müssen im Voraus reserviert werden. Sie sind für einen Besuch nicht erforderlich, erschließen aber Teile der Landschaft, die vom Ufer aus kaum sichtbar sind.

So erzählt jede Besuchsform einen anderen Teil derselben Geschichte. Wanderer sehen den See als nassen Kern hinter Schilf, Grasland und Kaden. Radfahrer erleben die Weite der umliegenden Polder. Vom Boot aus wird deutlich, wie Wasser, Verlandung und Sumpfwald ineinandergreifen. Gemeinsam zeigen diese Perspektiven eine Landschaft, die nicht nur durch natürliche Prozesse geprägt wurde, sondern auch durch gescheiterte Landgewinnung, drohende Zerstörung und mehr als ein Jahrhundert aktiven Naturschutz.

Das Naardermeer blieb erhalten, weil Menschen in einem entscheidenden Moment beschlossen, dass ein Sumpf keine leere Fläche war. Zwischen Schilf und offenem Wasser liegt daher mehr als ein artenreiches Naturgebiet. Hier nahm die Vorstellung Gestalt an, dass eine Landschaft Wert besitzen kann, ohne zuvor in Ackerland, Bauland oder Müllabladeplatz verwandelt zu werden.

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