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Heilige Orte

Heilige Cunera von Nibbixwoud

In Nibbixwoud wurde die heilige Cunera seit dem 13. oder 14. Jahrhundert als Beschützerin des Viehs verehrt. An ihrem Festtag, dem 12. Juni, wurde das Vieh rund um die Kirche zusammengebracht, von Priestern gesegnet und ihrem Schutz anvertraut. Die alte Wallfahrtskultur ist weitgehend verschwunden, doch die heutige St.-Cunera-Kirche an der Dorpsstraat hält Namen, Bild und Erinnerung an diese westfriesische Viehdevotion sichtbar.

Heilige OrteHeilige & stille OrteVerschwundener WallfahrtskultOrt
Statue der heiligen Cunera an der nach ihr benannten Cunerakirche in Nibbixwoud
Statue der heiligen Cunera an der Cunerakirche in Nibbixwoud. Die Darstellung bewahrt die Erinnerung an eine alte lokale Devotion rund um Viehsegnung, Schutz und Dorfgemeinschaft.Foto: Dqfn13, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0Änderungen: Keine Änderungen.

Warum hierher?

Dieser Ort zeigt eine sehr irdische Form von Heiligkeit. In Nibbixwoud wurde Cunera nicht vor allem wegen eines großen städtischen Wunders verehrt, sondern zum Schutz von Vieh, Besitz und Dorfleben. In einem landwirtschaftlichen westfriesischen Dorf, in dem das Vieh für viele Familien buchstäblich Sicherheit bedeutete, wurde ihr Festtag zu einem Ritual von Segen, Angst, Hoffnung und Gemeinschaft.

Was sieht man?

Zu sehen ist die heutige St.-Cunera-Kirche an der Dorpsstraat in Nibbixwoud, eine römisch-katholische Kirche des 19. Jahrhunderts mit Pfarrhaus und einem Bild der Cunera am oder beim Kirchengebäude. Die mittelalterliche Prozession und Viehsegnung sind nicht mehr als Route oder Ritual sichtbar. Der Ort dient vor allem als Anker: Name, Kirchenareal, Dorfband und Cunera-Darstellung halten die verschwundene Devotion noch fest.

Warum ist dieser Ort wichtig?

Die heilige Cunera von Nibbixwoud ist bedeutend, weil dieser Ort zeigt, dass Heiligenverehrung sich nicht nur um Klöster, große Kirchen oder berühmte Wunder drehte. Auch das alltägliche Bauernleben hatte eigene Schutzrituale. Die Cunera-Devotion verbindet Glauben mit Vieh, Nahrung, Krankheit, Besitz, Prozession und Dorfgemeinschaft. Dadurch erhält die religiöse Vergangenheit Westfrieslands ein konkretes und menschliches Gesicht.

Die größere Geschichte

An der Dorpsstraat in Nibbixwoud steht die St.-Cunera-Kirche. Das heutige Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert, doch der Name Cunera verweist auf eine viel ältere Dorfdevotion rund um Vieh, Krankheit und Schutz.

Nibbixwoud liegt in der Agrarlandschaft Westfrieslands. Über Jahrhunderte gehörte Vieh zu den wichtigsten Grundlagen des Alltags. Kühe und Pferde lieferten Nahrung, Mist, Zugkraft und Einkommen. Eine Krankheit im Stall konnte daher eine ganze Familie oder einen Hof bedrohen.

In dieser Welt erhielt Cunera Bedeutung. Seit dem 13. oder 14. Jahrhundert wurde sie in Nibbixwoud als Beschützerin des Viehs verehrt. Die Kirche trug ihren Namen und ihr Festtag am 12. Juni wurde zum Mittelpunkt einer lokalen Devotion.

An diesem Tag wurde das Vieh um die Kirche versammelt und von Priestern gesegnet. Bauern baten um Schutz vor Krankheit und anderem Unheil. Die Segnung galt damit nicht nur den Tieren, sondern auch Arbeit, Nahrung und Existenzsicherheit.

Zur Feier gehörte außerdem eine Prozession durch das Dorf. Ein Bild der Cunera wurde an Häusern, Straßen und Feldern vorbeigetragen. Der Schutz der Heiligen blieb dadurch nicht auf die Kirche beschränkt, sondern wurde durch die Gemeinschaft getragen.

Die alte Route lässt sich heute nicht mehr genau rekonstruieren. Rund um Dorpsstraat und Kirchenareal kann man sich jedoch noch vorstellen, wie Tiere, Bauern, Kinder und Geistliche hier zusammenkamen. Die heutige Kirche bewahrt den Namen, doch die eigentliche Geschichte liegt in einem verschwundenen Ritual.

Der Überlieferung nach gehörte Cunera zum Kreis um Ursula und ihre Jungfrauen. Sie entkam der Gewalt und gelangte nach Rhenen, wo sie schließlich aus Eifersucht erwürgt worden sein soll. Deshalb wurde sie später gegen Halsleiden angerufen. Außerdem verband man sie mit dem Schutz des Viehs, besonders der Pferde.

Wie ihre Verehrung nach Nibbixwoud gelangte, ist nicht genau bekannt. Wahrscheinlich passte ihre Rolle als Beschützerin gut zu den Bedürfnissen einer agrarischen Gemeinschaft. Sicher ist, dass sie einen festen Platz im örtlichen religiösen Leben erhielt.

Wallfahrt und lokale Verehrung bestanden mindestens bis ins 17. Jahrhundert. Die Reformation erschwerte öffentliche katholische Rituale, löschte die Devotion jedoch nicht sofort aus. Erinnerungen an Reliquien, Prozessionen und Viehsegnungen blieben vor Ort erhalten.

Die heutige St.-Cunera-Kirche wurde unter Leitung des Architekten A.C. Bleijs gebaut und 1877 vollendet. Sie gehört zu der Zeit, in der Katholiken wieder sichtbare Kirchen errichten konnten. Das Gebäude ist kein mittelalterlicher Rest, trägt aber den Namen und die Erinnerung weiter.

Cunera ist an oder bei der Kirche noch bildlich dargestellt. Das Bild verweist auf eine Verehrung, die einst viel greifbarer war. Sie wurde nicht nur dargestellt, sondern von Bauern angerufen, die ihre Tiere schützen wollten.

Ein Brand zerstörte 2002 große Teile von Dach und Gewölben. Das Dorf setzte sich anschließend für die Wiederherstellung ein. Auch dadurch wurde sichtbar, dass die Kirche nicht nur ein Gebäude, sondern ein von der Gemeinschaft getragener Ort ist.

Im Mittelpunkt der Geschichte bleibt jedoch die verschwundene Viehsegnung. Hier versammelten sich Tiere um die Kirche. Weihwasser wurde gesprengt und Gebete um Gesundheit und Schutz gesprochen. Religion war damit unmittelbar mit dem bäuerlichen Alltag verbunden.

Schau bei der St.-Cunera-Kirche über das heutige Straßenbild hinaus. Denk an den Juni, an Vieh rund um das Kirchenareal und an Bauern, die auf gesunde Tiere hofften. Die alte Devotion ist verschwunden, doch der Name Cunera bewahrt noch immer die Erinnerung an ein Dorf, das seinen verletzlichsten Besitz unter den Schutz einer Heiligen stellte.

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