Verschwundene Orte
Das erste Petten
Südlich des heutigen Petten lag im Mittelalter ein Fischerdorf bei den Dünen des Hondsbosch. Es war als Petten dat Hontsbosch hiet bekannt und wird in einigen Rekonstruktionen mit Petten in Nolmerban gleichgesetzt. Während der Elisabethflut von 1421 brach die schmale Dünenkette durch und das Dorf mit seiner Willibrordkirche verschwand. Danach verlagerte sich die Küstenlinie weiter landeinwärts. Nur historische Quellen, Rekonstruktionen und der Verlauf der Küstenschutzanlagen erinnern noch an die frühere Siedlung.

Warum hierher?
Das erste Petten zeigt, wie unsicher die Lage eines mittelalterlichen Küstendorfes sein konnte. Die Siedlung lag nicht hinter einem schweren Seedeich, sondern an einer schmalen Dünenkette, die bei Sturm durchbrechen konnte. Wo einst Häuser, Fischerhöfe und eine steinerne Kirche standen, befinden sich heute Strand, neu geschaffene Dünen und die Nordsee. Die heutige Landschaft verdeckt damit sowohl ein verschwundenes Dorf als auch eine frühere Küstenlinie, die deutlich weiter westlich lag.
Was sieht man?
Zu sehen sind die breiten neuen Dünen, der Strand und die Nordsee südlich des heutigen Petten. Vom mittelalterlichen Dorf sind oberirdisch keine erkennbaren Reste erhalten. Seine vermutete Lage befindet sich vor der heutigen Küste und teilweise unter jüngeren Küstenablagerungen. Die Hondsbossche Zeewering, die landeinwärts gelegenen Polder und historische Karten zeigen, wie stark sich die Grenze zwischen Land und Meer verschoben hat.
Warum ist dieser Ort wichtig?
Das erste Petten zeigt, dass die niederländische Küstenlinie niemals eine feste Grenze war. Ein vollständiges Dorf mit Häusern, Fischerhöfen, einer Kirche und vermutlich einem Kirchhof verschwand, als die Dünen durchbrachen und das Meer das Land überflutete. Die spätere Hondsbossche Zeewering schützte das Hinterland, wurde aber zugleich zu einer neuen Grenze, vor der die verlorene Siedlung nicht wieder entstand. Der Ort verbindet damit mittelalterliche Besiedlung, Sturmfluten und Jahrhunderte des Küstenschutzes.
Die größere Geschichte
Südlich des heutigen Petten lag im Mittelalter ein Dorf an einem Dünengebiet, das Hondsbosch genannt wurde. In alten Quellen erscheint die Siedlung als Petten dat Hontsbosch hiet. Das genaue Verhältnis zu Namen wie Petten in Nolmerban ist nicht vollständig geklärt. Historische Rekonstruktionen verorten diesen alten Kern jedoch etwa anderthalb bis zwei Kilometer südlich des heutigen Dorfes und näher an der damaligen Küste.
Das Dorf lag in einer Landschaft, die sich deutlich von der heutigen breiten Küstenzone unterschied. Vor den niedrigen Poldern verlief eine schmale und verletzliche Dünenkette. Dahinter lagen Deiche, Wasserläufe und Wege nach Schoorl und ins Hinterland. Die Küstenlinie befand sich weiter westlich als heute. Zwischen Dünen, Strand und niedrigem Land entstand eine Gemeinschaft, die von Fischerei, Landwirtschaft und dem Verkehr entlang der Küste lebte.
Im Dorf stand eine dem heiligen Willibrord geweihte Kirche. Eine steinerne Kirche zeigt, dass es sich um mehr als einen vorübergehenden Fischerplatz handelte. Rund um das Gebäude lagen Häuser, Höfe, Wege und vermutlich ein Kirchhof. Fischerboote wurden auf den Strand gezogen. Holz aus dem Dünengebiet konnte als Brennstoff für Leuchtfeuer und zum Räuchern von Fisch dienen. Das erste Petten war klein, aber eng mit Meer, Dünen und Hinterland verbunden.
Weiter nördlich entstand im 13. Jahrhundert eine zweite Siedlung, Petten bi der Sijpe. Dadurch erhielt der ältere Ort eine genauere Bezeichnung. Die unterschiedlichen Namen und Verwaltungsgebiete führten später zu Verwirrung. Mittelalterliche Rechnungen nennen getrennte Ämter und Siedlungen, doch nicht jeder Name muss ein eigenes Dorf bezeichnet haben. Sicher ist, dass der alte Kern beim Hondsbosch südlicher lag als jenes Petten, aus dem sich das heutige Dorf entwickelte.
In der Nacht vom 18. auf den 19. November 1421 traf die Elisabethflut die Küste. Bei Petten brach die schmale Dünenkette durch. Das Meer strömte in das Hinterland und das Dorf beim Hondsbosch ging verloren. Spätere gräfliche Rechnungen vermerkten, Petten sei untergegangen, weil es vom Meer überschwemmt worden war. Auch die Kirche verschwand. Einige Jahre später wurde sie weiter nördlich bei Petten bi der Sijpe neu errichtet.
Mit der Katastrophe verbindet sich eine Erzählung über Hunderte Einwohner, die in der Kirche Schutz gesucht haben und dort ertrunken sein sollen. Auch die Kirchenschätze seien nach der Flut bei Bergen wiedergefunden worden. Daraus entwickelte sich die Überlieferung vom Heiligen Blut von Bergen. Diese Geschichten gehören zur Erinnerungskultur der Katastrophe. Der Untergang von Dorf und Kirche im Jahr 1421 ist historisch belegt; Opferzahlen und Bestandteile der Wundererzählung sind weniger sicher.
Nach der Überschwemmung wurde versucht, die Küste wieder zu schließen. Dünen wurden ausgebessert und hinter dem beschädigten Küstenstreifen entstand ein Deich. Aus diesen aufeinanderfolgenden Schutzmaßnahmen entwickelte sich schließlich die Hondsbossche Zeewering. Sie schützte das Hinterland, konnte das verschwundene Dorf aber nicht zurückbringen. Seine frühere Lage blieb vor der neuen Verteidigungslinie und wurde durch weitere Küstenabtragung und wandernden Sand ausgelöscht.
Das erste Petten darf nicht mit späteren Siedlungen verwechselt werden, die ebenfalls durch Küstengewalt oder menschliche Eingriffe verschwanden. Ein Nachfolgedorf wurde 1625 schwer vom Meer getroffen. Jahrhunderte später wurde ein neuerer Ortskern während des Zweiten Weltkriegs für deutsche Verteidigungsanlagen abgebrochen. Die Geschichte Pettens besteht daher aus mehreren Verlagerungen und verschwundenen Siedlungsphasen. Wie viele Pettens genau gezählt werden, hängt davon ab, welche Orte als eigenständige Siedlungen betrachtet werden.
Oberirdisch ist nichts erhalten, was sich mit Sicherheit dem ersten Dorf zuordnen lässt. Keine Fundamentlinie, kein Kirchenboden und kein Grabstein markiert den Ort. Die vermutete Lage befindet sich vor der heutigen Küste oder unter später gebildeten Küstenschichten. Auch das Palendorp am Strand steht nicht genau am Ort dieser ältesten Siedlung. Das Kunstwerk erinnert allgemein an die verschwundenen Pettens und veranschaulicht vor allem ein später vom Meer zurückgedrängtes Dorf.
Die verlorene Landschaft wird am deutlichsten, wenn die heutige Küste nicht als unveränderliche Grenze betrachtet wird. Vom Dünenrand aus lässt sich die frühere Küstenlinie weiter westlich vorstellen. Hinter dem alten Strand lagen eine Kirche, Fischerhäuser und Höfe. Wo heute Wellen brechen und neues Sandland die Küste schützt, befand sich einst das älteste bekannte Petten.
Weiterlesen
- De drie PettensCanon van Nederland / Regionaal Archief Alkmaar
- Petten in de jaren 1200–1300Zijper Historie Bladen
- 600 jaar Sint-Elisabethsvloed en Heilig Bloed van BergenRegionaal Archief Alkmaar
- 1421: De Sint-Elisabethsvloed en de aanzet tot de Hondsbossche ZeeweringZijper Museum