Besondere Natur
De Muy
Zwischen De Koog und De Slufter liegt De Muy: eine junge Dünenlandschaft mit steilen Hängen, einem langgestreckten feuchten Tal, Wiesen, dem Muysee und dem dunklen Kiefernwäldchen Oorlogsschip. Anders als in De Slufter wurde der Einfluss des Salzwassers hier durch einen kleinen Deich abgeschnitten. Regen- und Grundwasser schufen anschließend eine Süßwasserlandschaft mit Orchideen, Sumpf-Herzblatt, Zartem Gauchheil und einer der ältesten Löfflerkolonien Texels.

Warum hierher?
De Muy zeigt auf kurzer Strecke, wie unterschiedlich sich junge Dünennatur entwickeln kann. Hohe Dünen umschließen ein niedriges Tal mit feuchten Wiesen, Dünensee, Schilf, Gebüsch und einem auffälligen Kiefernwäldchen. Während De Slufter durch Salz und Gezeiten geprägt wird, bestimmen hier Regen- und Grundwasser die Landschaft. Orchideen und andere Pflanzen feuchter Dünentäler wachsen neben Lebensräumen für Löffler, Blaukehlchen, Nachtigallen und Sumpfvögel. Die Wanderwege lassen sich selbstständig begehen; einige Abschnitte sind saisonal geschlossen.
Was sieht man?
Steile Dünen, offene Sandhänge, feuchte Dünentäler, Wiesen, Schilf, niedrige Gebüsche, der Muysee und das Kiefernwäldchen Oorlogsschip. Von höheren Dünen und der Bertusnol ist der Aufbau gut zu erkennen. Im Frühjahr fallen Blaukehlchen, Nachtigallen und blühende Kleine Knabenkräuter auf. Später folgen Sumpf-Herzblatt und andere Pflanzen nasser Täler. Löffler fliegen regelmäßig über das Gebiet; die Kolonie selbst liegt in einem ruhigen geschützten Teil. Gallowayrinder halten Teile der Landschaft offen.
Wann sieht man was?
Wähle einen Monat und sieh, welche Tiere, Pflanzen oder Pilze dann aussichtsreich sind.
Kleines Knabenkraut
Diese früh blühende Orchidee kann feuchte Wiesen rosa und violett färben. Ihre Blüte hängt von ausreichendem Grundwasser, niedriger Vegetation und sorgfältiger Pflege ab.
Sumpf-Herzblatt
Die weißen grün geäderten Blüten erscheinen im Sommer auf feuchten nährstoffarmen Flächen der Dünentäler.
Zarter Gauchheil
Die sehr kleinen rosa Blüten wachsen dicht am Boden auf nassem offenem und nährstoffarmem Untergrund. Zwischen Gras und Moos wird die Pflanze leicht übersehen.
Löffler
Löffler brüten in einem ruhigen geschützten Teil von De Muy. Am besten sind sie im Flug oder bei der Nahrungssuche in nahe gelegenen Flachgewässern zu beobachten.
Blaukehlchen
Ab April singen die Männchen aus Schilf, niedrigen Sträuchern und feuchter Hochstaudenflur. Manchmal zeigen sie kurz ihre blaue Brust auf einem hohen Halm.
Nachtigall
Der kräftige Gesang erklingt aus dichtem Sanddorn- und Weißdorngebüsch. Der Vogel selbst bleibt meist völlig verborgen.
Kormoran
Kormorane nutzen den See, Nestbäume und umliegende Gewässer. Sie fliegen regelmäßig zwischen De Muy und Nahrungsgebieten auf Texel.
Gallowayrind
Die schwarzen Rinder beweiden das Gebiet ganzjährig und helfen Wiesen und Täler offen zu halten. Halten Sie ausreichend Abstand und gehen Sie niemals zwischen Kuh und Kalb hindurch.
Kornweihe
Im Herbst und Winter kann eine Kornweihe niedrig über Wiesen und feuchten Tälern jagen. Die Art erscheint unregelmäßig und bleibt eine besondere Beobachtung.
Sumpfohreule
Bei hohem Mäuseangebot können Sumpfohreulen über dem offenen Tal jagen. Sie erscheinen nicht jedes Jahr und Beobachtungen bleiben unvorhersehbar.
Warum ist dieser Ort wichtig?
De Muy ist besonders, weil sich eine ehemalige Strandebene zu einer Süßwasserdünenlandschaft mit markanten Übergängen zwischen offenem Sand, feuchten Tälern, Grasland, Gebüsch, Wald und Wasser entwickelte. Der Muysee und die nassen Dünentäler sind für Brutvögel und seltene Pflanzen wichtig. Maßnahmen wie das Schließen eines alten Entwässerungsgrabens, die Wiederherstellung eines Dünengerinnes, Plaggen, Mähen und Beweidung wirken Austrocknung und Zuwachsen entgegen. Ohne diese Pflege würden orchideenreiche Täler, offene Wiesen und ruhige Brutplätze rasch verloren gehen.
Die größere Geschichte
De Muy liegt zwischen De Koog und De Slufter im westlichen Dünengebiet Texels. Hohe Dünenrücken umschließen ein langgestrecktes niedriges Tal mit Wiesen, Schilf, Gebüsch, dem Muysee und dem kleinen Kiefernwäldchen Oorlogsschip. Was heute wie eine natürliche Einheit wirkt, entstand durch Küstenbildung, Deichbau und spätere ökologische Wiederherstellung.
Ursprünglich gehörte das Tal zu einer Strandebene, die durch niedrige Öffnungen vom Meer beeinflusst wurde. Anders als bei De Slufter wurde diese Verbindung schließlich geschlossen. Ein kleiner Deich hielt das Salzwasser zurück und veränderte die Entwicklung grundlegend. Regen- und Grundwasser wurden bestimmend.
Später wurden an der Seeseite neue Flugsanddeiche angelegt. Regenwasser floss dadurch weniger leicht ab und der Grundwasserstand stieg. Im tiefsten Teil entstand der Muysee. Rund um das Wasser entwickelten sich Schilf, feuchte Wiesen, Sumpfvegetation und nasse Dünentäler.
Der Gegensatz zu De Slufter ist daher groß. Dort bestimmen Salz, Gezeiten und Überflutung die Landschaft. De Muy wird von Regenwasser, Grundwasser und jahreszeitlichen Schwankungen geprägt. Zwei sehr verschiedene Formen der Küstennatur liegen dicht nebeneinander.
Die Dünen um das Tal sind stellenweise auffallend steil. Wind türmte Sand zu hohen Rücken und scharfen Hängen auf. Auf offenen Flächen wachsen Strandhafer und Pflanzen trockener Dünen, weiter unten Wiesen, Gebüsche und feuchte Vegetation. Von höheren Dünen ist das schmale Tal zwischen den Sandrücken gut zu erkennen.
Die Bertusnol ist der bekannteste Aussichtspunkt. Eine lange Treppe führt auf eine der höheren Dünen Texels. Vom Gipfel liegen De Muy, De Nederlanden und weiter nördlich De Slufter offen im Blick. Der Muysee ist zwischen Schilf und Wiesen sichtbar, bei klarem Wetter auch Nordsee und Küstendünen.
Mitten im Tal steht das Kiefernwäldchen Oorlogsschip. Die dunklen Bäume heben sich deutlich vom offenen Grasland ab und bilden einen markanten Orientierungspunkt. Es ist kein alter natürlicher Dünenwald, bietet aber Vögeln, Insekten und Fledermäusen Schutz.
Die feuchten Dünentäler gehören zu den empfindlichsten Bereichen. Sie werden von sauberem Grundwasser gespeist und sind von Natur aus nährstoffarm. Niedrige Pflanzen, die aus gedüngten oder trockenen Wiesen verschwinden, können hier überleben. Das Kleine Knabenkraut blüht früh und kann Teile der Wiese rosa und violett färben.
Später folgen andere Orchideen, Sumpf-Herzblatt und Zarter Gauchheil. Sumpf-Herzblatt wächst auf feuchten offenen Stellen und besitzt weiße Blüten mit grünen Adern. Zarter Gauchheil ist viel kleiner und bleibt niedrig zwischen Gras und Moos. Solche Arten zeigen, wie nass und nährstoffarm der Boden geblieben ist.
Ohne Pflege würden die Täler mit hohen Gräsern, Schilf und Sträuchern zuwachsen. Deshalb werden Teile gemäht, beweidet und geplaggt. Gallowayrinder halten die Vegetation kurz und schaffen mit ihren Hufen kleine offene Bodenstellen für Pionierpflanzen.
De Muy ist auch für seine Löffler bekannt. Die Kolonie gehört zu den ältesten Brutplätzen auf Texel und im Wattengebiet. Die Vögel brüten in einem ruhigen geschützten Teil und suchen in flachem Wasser nach kleinen Fischen und Garnelen. Mit gestrecktem Hals und langsamen Flügelschlägen sind sie regelmäßig über dem Gebiet zu sehen.
Auch Kormorane und Graureiher nutzen den See und die umliegenden Bäume. Nestplätze können sich im Laufe der Zeit verlagern. Kot reichert den Boden um Kolonien stark an, verändert die Vegetation und kann Bäume absterben lassen. Dies gehört zur Dynamik einer großen Vogelkolonie.
Blaukehlchen, Schilf- und Sumpfrohrsänger leben in Schilf, Gebüsch und feuchter Hochstaudenflur. Blaukehlchen singen im Frühjahr von niedrigen Sträuchern und Schilfhalmen. Nachtigallen bleiben meist im dichten Sanddorn- und Weißdorngebüsch verborgen, doch ihr Gesang trägt im April, Mai und Juni weit über das Tal.
Offene Dünen und Wiesen ziehen auch Greifvögel und Eulen an. Kornweihen können im Herbst und Winter niedrig über der Vegetation jagen. Sumpfohreulen erscheinen unregelmäßig bei hohem Mäuseangebot. Keine der beiden Arten ist bei jedem Besuch zu erwarten.
Ein alter Entwässerungsgraben führte früher viel Regenwasser aus dem Tal ab und trug zur Austrocknung bei. Er wurde verfüllt. Im tiefsten Teil wurde ein Dünengerinne wiederhergestellt, damit Wasser langsamer und natürlicher fließt und mehr Regenwasser das Grundwasser ergänzt.
Die Pflege sucht ständig ein Gleichgewicht. Mehr Wasser unterstützt nasse Dünentäler, doch sehr hohe Stände können Wege und Vegetation beeinflussen. Ohne Mahd und Beweidung wächst das Gebiet zu, während zu intensive Eingriffe empfindliche Pflanzen und Brutplätze schädigen können.
Die Wanderwege verlaufen vor allem entlang der Ränder und durch weniger empfindliche Bereiche. Manche Wege sind ganzjährig geöffnet, andere nur außerhalb der Brutzeit. Zeitweilige Sperrungen schützen Kolonien, Bodenbrüter und andere Tiere während ihrer empfindlichsten Zeit.
Im Süden geht De Muy in De Nederlanden über. Wiesen, Dünen und eine charakteristische Schafscheune erinnern an das lange Nebeneinander von Natur und Landwirtschaft. Teile des Gebiets wurden als Weide- und Heuland genutzt.
Jede Jahreszeit verändert das Bild. Im Frühjahr fallen Vogelgesang, frisches Grün und blühende Kleine Knabenkräuter auf. Im Mai und Juni fliegen Löffler regelmäßig über das Gebiet, während das Gebüsch dichter wird. Im Juli und August blühen Sumpf-Herzblatt und andere Pflanzen nasser Täler. Im Herbst und Winter treten das dunkle Oorlogsschip und die kahlen Formen der Dünen stärker hervor.
Die Stärke von De Muy liegt in den nahen Gegensätzen. Hohe trockene Dünen grenzen unmittelbar an See und Sumpf. Ein dunkles Kiefernwäldchen steht mitten im offenen Grasland. Und neben dem salzigen, gezeitengeprägten De Slufter liegt ein Süßwassersystem, das vollständig von Regen- und Grundwasser bestimmt wird.
De Muy ist daher keine kleinere Version von De Slufter. Es zeigt, was geschieht, wenn eine Strandebene vom Meer getrennt und Süßwasser zurückgehalten wird. Orchideen, Löffler, nasse Täler und der Muysee sind Folgen dieses Übergangs von Salz zu Süßwasser.
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