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Die Niederlande und das Wasser

Sluishuis und das künstlich geschaffene Land von IJburg

Das Sluishuis steht am westlichen Zugang zu IJburg, einem Amsterdamer Stadtteil, der seit 1999 auf künstlichen Inseln im IJmeer angelegt wurde. Das Wohngebäude ragt teilweise über das Wasser und umschließt einen kleinen Innenhafen. Hier wird sichtbar, wie Amsterdam sich nicht nur am Wasser ausdehnte, sondern neues städtisches Land im Wasser schuf.

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Das Sluishuis am IJmeer auf IJburg
Das Sluishuis steht am westlichen Zugang zu IJburg, an der Grenze zwischen künstlich geschaffenem Land und dem offenen IJmeer.Foto: Kleon3, über Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0Änderungen: Keine Änderungen.

Warum hierher?

Am Sluishuis lässt sich gut erkennen, wie IJburg zwischen Stadt und offenem Wasser liegt. Von den öffentlichen Kais und Stegen sieht man das Wohngebäude über das IJmeer hinausragen, während dahinter die künstlich angelegten Inseln beginnen. Der Ort ist frei zugänglich und lässt sich am besten bei einem kurzen Spaziergang erkunden. Eine Führung, Eintrittskarte oder ein Museumsbesuch ist nicht erforderlich.

Was sieht man?

Zu sehen ist das kantige Sluishuis mit zwei Gebäudeteilen, die über das Wasser hinausragen und eine Öffnung zum Innenhafen bilden. Rund um das Gebäude liegen öffentliche Kais, Stege und Liegeplätze. Auf der einen Seite öffnet sich das IJmeer in Richtung Durgerdam und Pampus. Auf der anderen liegen Steigereiland, Haveneiland und die weitere Bebauung von IJburg.

Warum ist dieser Ort wichtig?

IJburg gehört zu den größten modernen Beispielen der Landgewinnung in Amsterdam. Der Stadtteil entstand nicht in einem bestehenden Polder, sondern auf Inseln, die mit Millionen Kubikmetern Sand im IJmeer geformt wurden. Das Sluishuis steht an der Grenze zwischen diesem geschaffenen Land und dem offenen Wasser. Das Gebäude zeigt, wie Wohnungsbau, Wasser, Freizeitnutzung und Stadterweiterung in einem Entwurf zusammengeführt wurden.

Die größere Geschichte

Das Sluishuis steht an der Westseite von IJburg, wo die bebauten Inseln an das offene Wasser des IJmeers grenzen. Aus manchen Blickwinkeln scheint das Wohngebäude unmittelbar aus dem Wasser aufzusteigen. Zwei Ecken sind angehoben, sodass unter dem Baukörper freie Sichtachsen und Durchgänge zu einem kleinen Innenhafen entstanden. Diese Form passt zu einem Stadtteil, der selbst im Wasser angelegt wurde.

Pläne für eine große Erweiterung im Osten Amsterdams bestanden bereits im 20. Jahrhundert. Die Stadt wuchs und benötigte neue Wohnungen, während geeignetes Bauland immer knapper wurde. Vorhandene Polder und Stadtränder boten nicht genügend Raum für das erwartete Wachstum. Der Blick richtete sich deshalb auf das IJmeer, wo neue Inseln eine umfangreiche Erweiterung der Stadt ermöglichen sollten.

In den 1990er-Jahren entschied sich Amsterdam für die Entwicklung von IJburg, das zunächst Nieuw-Oost genannt wurde. Der Plan sah eine Reihe künstlicher Inseln zwischen Zeeburgereiland und dem offenen IJmeer vor. Straßen, Brücken, öffentlicher Verkehr, Wohnungen und Einrichtungen sollten als ein neuer Stadtteil entworfen werden. Die Erweiterung war damit nicht nur ein Wohnungsbauprojekt, sondern auch ein neuer Eingriff in das Verhältnis zwischen Amsterdam und dem umgebenden Wasser.

Die Anlage begann 1999. Anders als bei einer traditionellen Trockenlegung wurde kein großes Wassergebiet durch einen Ringdeich umschlossen und leergepumpt. Stattdessen brachte man Schicht für Schicht Sand auf dem Grund des IJmeers auf. Unter Wasser wurde er verteilt und verdichtet, danach wurden weitere Lagen über die Wasseroberfläche aufgespült. Das Land entstand also nicht durch das Entfernen von Wasser, sondern durch die örtliche Anhebung des Seebodens.

So entstanden unter anderem Steigereiland, Haveneiland und die Rieteilanden. Der neue Boden musste sich zunächst ausreichend setzen, bevor Straßen, Leitungen und Gebäude angelegt werden konnten. Ende 2002 zogen die ersten Bewohner ein. Danach wuchs IJburg schrittweise weiter, wobei jede Insel unterschiedliche Bebauungsdichten und Wohnformen erhielt.

Wasser blieb überall Bestandteil der Gestaltung. Grachten, Häfen, Brücken, Stege und offene Ufer verbinden die Wohngebiete mit dem IJmeer. Manche Häuser stehen unmittelbar am Wasser, andere blicken auf breite Innenhäfen oder schmale Kanäle. IJburg liegt daher nicht nur am Wasser. Der Stadtteil nutzt es als Fahrweg, Erholungsraum, Aussicht und öffentlichen Raum.

Diese offene Beziehung zum Wasser ist rund um das Sluishuis besonders gut sichtbar. Das Gebäude wurde von Bjarke Ingels Group und Barcode Architects entworfen und 2022 eröffnet. Es umfasst Hunderte Wohnungen, gemeinschaftliche Einrichtungen und einen Innenhafen. Der große Baublock entspricht dem städtischen Maßstab IJburgs, ist jedoch so geformt, dass das Wasser unter und durch den Komplex sichtbar bleibt.

Auf der Seite des IJmeers steigt der Baukörper stufenweise an. An anderen Seiten sind Teile des Volumens angehoben und Wohnungen ragen über das Wasser hinaus. Unter diesen hohen Ecken entstehen Durchgänge und Sichtachsen zum Innenhafen. Dadurch wird die Grenze zwischen Gebäude, Kai und Wasser weniger deutlich. Das Sluishuis steht nicht einfach an einer Uferlinie, sondern bildet selbst einen Teil des Wasserrandes.

Rund um das Gebäude liegen öffentliche Spazierwege, Stege und Sitzplätze. Vom Kai reicht der Blick über das IJmeer in Richtung Durgerdam und Pampus. In der anderen Richtung sieht man die dichte Bebauung von Steigereiland und Haveneiland. Offenes Wasser, neu geschaffenes Land und zeitgenössische Stadtarchitektur stehen dadurch an einem Ort unmittelbar einander gegenüber.

Die Anlage von IJburg war nicht unumstritten. Wohnungsbau, Erreichbarkeit und städtisches Wachstum mussten gegen Naturwerte, Wasserqualität und die offene Landschaft des IJmeers abgewogen werden. Gegner befürchteten den Verlust von Lebensräumen und offenen Wasserflächen. Rund um die Inseln entstanden deshalb auch Flachwasserzonen, naturnahe Ufer und neue Lebensräume.

IJburg zeigt damit, dass moderne Landgewinnung mehr ist als eine technische Aufgabe. Jede neue Sandmasse verändert Strömung, Tiefe, Aussicht und Lebensraum. Gleichzeitig entstehen Wohnungen und öffentliche Räume an Stellen, an denen zuvor nur Wasser lag. Die Grenze der Stadt wird hier nicht einfach nach außen verschoben, sondern als Übergang zwischen Bebauung und See neu gestaltet.

Gehe um das Sluishuis herum und achte darauf, wie das Gebäude an jeder Seite anders auf das Wasser reagiert. An einer Seite bildet es eine geschlossene städtische Wand, an der anderen öffnet es sich über dem Hafen und dem IJmeer. Blicke anschließend zu den niedrigen Inseln und zum fernen Horizont. Das Sluishuis ist weder eine Schleuse noch ein traditionelles Wasserbauwerk, fasst aber den Kern von IJburg zusammen: Amsterdam schuf hier Raum zum Wohnen, ohne das Wasser vollständig aus der Landschaft zu entfernen.

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