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Die Niederlande und das Wasser

Schellingwoude und die Oranjeschleusen

Im Osten von Amsterdam-Noord liegen das alte Deichdorf Schellingwoude und die Oranjeschleusen unmittelbar nebeneinander. Der Waterlandse Zeedijk ermöglichte die Besiedlung am IJ, während der Schleusenkomplex seit 1872 Schifffahrt und Wasserhaushalt zwischen Binnen-IJ und Buiten-IJ reguliert. Dorfhäuser, Deichkurven, vorbeifahrende Schiffe und bewegliche Schleusentore zeigen hier zwei sehr unterschiedliche Maßstäbe des Lebens mit dem Wasser.

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Panoramablick von Schellingwoude auf die Oranjeschleusen
Blick von Schellingwoude auf die Oranjeschleusen zwischen Binnen-IJ und Buiten-IJ.Foto: Henk Monster, über Wikimedia Commons, CC BY 3.0Änderungen: Keine Änderungen.

Warum hierher?

Schellingwoude und die Oranjeschleusen zeigen auf engem Raum, wie Amsterdam-Noord aus Deichen, Dörfern und Wasserbauwerken entstand. Entlang des Schellingwouderdijk ist der Maßstab des alten Deichdorfes noch gut erkennbar. Daneben liegt ein weiterhin betriebener Schleusenkomplex, in dem Schiffe geschleust und unterschiedliche Wasserstände voneinander getrennt werden. Für das grundlegende Erlebnis sind weder Museumsbesuch noch Eintrittskarte oder Führung erforderlich.

Was sieht man?

Zu sehen sind die bandartige Bebauung von Schellingwoude entlang des geschwungenen Deiches, die offene Wasserfläche des IJ und der Schleusenkomplex mit Kammern, Toren sowie wartenden oder vorbeifahrenden Schiffen. Die ursprünglichen Schleusen aus dem 19. Jahrhundert liegen neben der wesentlich größeren Prins-Willem-Alexanderschleuse. Von den öffentlich zugänglichen Bereichen am Deich und am Wasser ist besonders der Gegensatz zwischen dem kleinen Dorf und der großen Infrastruktur gut erkennbar.

Warum ist dieser Ort wichtig?

Der Waterlandse Zeedijk machte das feuchte Gebiet nördlich des IJ bewohnbar und bestimmte die langgestreckte Form von Schellingwoude. Im 19. Jahrhundert fügten die Oranjeschleusen eine neue Ebene hinzu. Sie regelten fortan die Schifffahrt, die Wasserstände und den Übergang zwischen verschiedenen Wassergebieten. So liegen hier der mittelalterliche Kampf um trockenes Land und die spätere technische Beherrschung des Amsterdamer Wassersystems unmittelbar nebeneinander.

Die größere Geschichte

Schellingwoude liegt am Waterlandse Zeedijk im Osten von Amsterdam-Noord. Die Häuser folgen den Kurven und Höhenunterschieden des Deiches und erinnern an eine Zeit, in der sicheres Wohnen vor allem auf oder unmittelbar hinter einer erhöhten Wasserwehr möglich war. Auf der Wasserseite liegen die Oranjeschleusen. Ihre geraden Mauern, Stahltore und langen Kammern gehören zu einem wesentlich größeren Maßstab als das alte Deichdorf.

Das Gebiet nördlich des IJ bestand ursprünglich aus nassem Moorland. Seit dem Mittelalter gruben die Bewohner Entwässerungsgräben, um das Moor nutzbar zu machen und Landwirtschaft zu ermöglichen. Dadurch sank der Boden ab und das Hinterland wurde immer anfälliger für Hochwasser. Deiche wurden deshalb nicht nur zu Grenzen in der Landschaft, sondern auch zum Rückgrat von Besiedlung, Verkehr und Sicherheit.

Entlang des Waterlandse Zeedijk entstanden mehrere Dörfer, darunter Schellingwoude, Nieuwendam, Buiksloot und Durgerdam. Häuser standen auf der Deichkrone, am Hang oder unmittelbar dahinter. Straßen und Grundstücke folgten demselben schmalen Streifen. So entstand kein kompaktes Dorf mit zentralem Straßennetz, sondern ein langes Siedlungsband, dessen Form von jeder Kurve des Deiches bestimmt wurde.

Schellingwoude blieb eng mit dem IJ verbunden. Das Wasser war eine Bedrohung, zugleich aber auch Verkehrsweg, Arbeitsraum und Erwerbsquelle. Schiffer, Fischer, Handwerker und Bauern lebten dicht nebeneinander. Über das IJ bestanden Verbindungen nach Amsterdam, zur Zuiderzee und zu den Dörfern des Waterlands. Obwohl die wachsende Stadt Schellingwoude später eingliederte, blieb der Maßstab des alten Deichdorfes weitgehend erkennbar.

Im 19. Jahrhundert veränderte sich die Wasserlandschaft um Amsterdam grundlegend. Für den Bau des Nordseekanals wurden Teile des IJ abgedämmt und trockengelegt. Die offenen Wasserflächen westlich und östlich von Amsterdam erhielten unterschiedliche Funktionen und Wasserstände. Das Binnen-IJ wurde Teil des neuen Kanalsystems, während das Buiten-IJ seine Verbindung zur Zuiderzee behielt.

Zwischen diesen beiden Wassergebieten wurde ein kontrollierbarer Durchgang benötigt. Schiffe mussten passieren können, doch das Wasser durfte nicht ungehindert von einem Becken in das andere strömen. Auch der Wasserstand im Gebiet des Nordseekanals musste beherrschbar bleiben. Die schmale Wasserverbindung bei Schellingwoude bot einen geeigneten Ort für einen Komplex, der Schifffahrt und Wasserhaushalt zugleich regeln konnte.

Der Grundstein für die Oranjeschleusen wurde 1870 gelegt. Am 18. März 1872 nahm man den Komplex in Betrieb. Die drei ursprünglichen Schiffsschleusen erhielten unterschiedliche Abmessungen, damit verschiedene Schiffstypen abgefertigt werden konnten. Zwischen den Schleusen lagen Dämme und Betriebsgebäude, wodurch ein zusammenhängendes wasserbauliches Ensemble entstand.

Wenn ein Schiff in eine Schleuse einfährt, schließen sich die Tore hinter ihm. Anschließend wird Wasser in die Kammer eingelassen oder daraus abgeleitet, bis ihr Pegel dem des folgenden Wassergebietes entspricht. Erst dann können die Tore auf der anderen Seite geöffnet werden. Die Schleusen ermöglichen so einen kontrollierten Übergang, ohne Binnen-IJ und Buiten-IJ direkt miteinander zu verbinden.

Die Oranjeschleusen dienten nicht nur der Schifffahrt. Sie halfen, den Wasserstand im Gebiet des Nordseekanals zu regulieren und die Ausbreitung von Salz- oder Brackwasser in Richtung der süßeren Gewässer östlich von Amsterdam zu begrenzen. Nach der Schließung der Zuiderzee im Jahr 1932 wurde diese Trennung Teil eines noch größeren Systems zwischen Nordsee, Nordseekanal, IJsselmeer und den umliegenden Poldern.

Die Binnenschifffahrt nahm zu und die Schiffe wurden immer größer. Die ursprünglichen Kammern aus dem 19. Jahrhundert konnten den modernen Verkehr nicht mehr vollständig und effizient verarbeiten. Deshalb wurde der Komplex um die wesentlich größere Prins-Willem-Alexanderschleuse erweitert, die 1995 in Betrieb ging. Die neue Schleuse liegt neben den alten und macht den Unterschied zwischen historischem und modernem Wasserbau unmittelbar sichtbar.

Dorf und Schleusen sind dennoch keine voneinander getrennten Welten. Der Waterlandse Zeedijk schützte das niedrige Hinterland und bestimmte jahrhundertelang, wo Menschen wohnen konnten. Die Oranjeschleusen übernahmen später die Kontrolle über Schifffahrt und Wasserstand in einem Gebiet, das weit über Schellingwoude hinausreicht. Die eine Struktur folgt der unregelmäßigen Form des alten Landes, die andere besteht aus geraden Linien, festen Maßen und beweglicher Technik.

Gehe am Schellingwouderdijk entlang und achte zunächst auf die kleinen Häuser, Höhenunterschiede, schmalen Grundstücke und Kurven des alten Deichbandes. Blicke danach zum Schleusenkomplex, wo Tore geöffnet werden, das Wasser in den Kammern steigt oder fällt und Schiffe auf die Durchfahrt warten. Hier treffen zwei Formen des Lebens mit Wasser aufeinander: zunächst Schutz durch höheres Wohnen hinter einem Deich und später Beherrschung durch die immer genauere Regulierung desselben Wassers mit Schleusen.

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