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Verschwundene Orte

Poppendam, die verschwundene Moorsiedlung in Waterland

Zwischen Ransdorp und Zunderdorp lag im Mittelalter Poppendam, eine frühe Moorsiedlung an der Poppendammer Die. Die Bewohner bauten ihre Holzhäuser unmittelbar auf dem weichen Torfboden. Fußböden sanken ab, worauf die Höfe wiederholt erhöht und mit einer neuen Lehmschicht versehen wurden. Bei archäologischen Untersuchungen fand man an einem Hausplatz fünf übereinanderliegende Fußbodenniveaus. Entwässerung, Bodensenkung und zunehmende Wasserprobleme machten den alten Wohnplatz immer schwerer nutzbar. Poppendam verschwand, während sich die Besiedlung auf andere, besser aufgeschüttete Siedlungsbänder verlagerte.

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Brücke 2108 am Übergang vom Volendammerweg zum Poppendammergouw in Amsterdam-Noord
Brücke 2108 markiert den Übergang von der städtischen Bebauung am Volendammerweg zum ländlichen Poppendammergouw. Weiter in der Moorwiesenlandschaft lag die verschwundene Siedlung Poppendam. Das Foto zeigt nicht die archäologische Fundstelle selbst.Foto: Ceescamel, über Wikimedia Commons, CC0Änderungen: Keine Änderungen.

Warum hierher?

Poppendam zeigt, wie verletzlich die früheste Besiedlung Waterlands war. Die Bewohner lebten nicht auf festem Sand oder Ton, sondern auf Torf, der nach der Entwässerung langsam absank. Sie reparierten ihre Häuser und erhöhten ihre Fußböden immer wieder, bis dieselben Wohnplätze nicht mehr sinnvoll nutzbar waren. In der heutigen Wiesenlandschaft steht nichts mehr aufrecht. Gräben, gewundene Wasserläufe und tiefliegende Parzellen zeigen jedoch, weshalb das Wohnen hier eine ständige Anpassung an einen sich bewegenden Boden erforderte.

Was sieht man?

Am Poppendammergouw erstreckt sich eine offene Moorwiesenlandschaft mit schmalen Parzellen, Gräben, Röhrichtsäumen und verstreuten Bauernhöfen. Von der mittelalterlichen Siedlung sind keine Häuser, Böden oder erkennbaren Fundamente sichtbar. Die untersuchten Hausplätze liegen unter der Grasdecke nahe dem früheren Verlauf der Poppendammer Die. Lesbar wird die Landschaft vor allem durch ihre tiefe Lage, den nassen Boden und die langgestreckte Parzellierung. Die Namen Poppendammergouw und Poppendammer Die bewahren die Erinnerung an den verschwundenen Wohnplatz.

Warum ist dieser Ort wichtig?

Poppendam gehört zu den frühesten bekannten Moorsiedlungen Waterlands. Die aufeinanderfolgenden Fußböden belegen nicht nur die Bodensenkung, sondern auch, wie die Bewohner ihre Wohnplätze wiederholt an veränderte Bedingungen anpassten. Die Siedlung zeigt, wie Entwässerung und Besiedlung die Moorlandschaft veränderten und zugleich neue Probleme verursachten. Gräben machten das Land nutzbar, doch entwässerter Torf schrumpfte und sank ab. Das Verschwinden Poppendams bildet damit ein frühes Kapitel der langen Geschichte von Bodensenkung und Wasserwirtschaft in Nordholland.

Die größere Geschichte

Poppendam lag in der offenen Moorlandschaft nördlich von Amsterdam. Das Gebiet bestand ursprünglich aus ausgedehnten Sümpfen, in denen sich über Jahrhunderte Torf gebildet hatte. Natürliche Moorflüsse durchzogen die Landschaft, darunter der später als Poppendammer Die bekannte Wasserlauf. An den Ufern solcher Flüsse begannen Menschen im Mittelalter mit der Erschließung des umliegenden Landes.

Die ersten Siedler gruben vom Wasser aus Gräben in das Moor. Wasser konnte abfließen und die obere Bodenschicht wurde für Besiedlung, Viehhaltung und begrenzte Landwirtschaft nutzbar. Lange schmale Parzellen entstanden rechtwinklig zur Erschließungsachse. Dieses Muster aus Gräben und Grundstücken ist im heutigen Waterland noch immer erkennbar.

An der Poppendammer Die entstand eine Reihe von Bauernhöfen und Hofplätzen. Diese frühe Siedlung erhielt später den Namen Poppendam. Die Häuser standen vermutlich auf kleinen Aufhöhungen am Wasser. Der Fluss verband den Ort mit anderen Siedlungen und lieferte Wasser für Menschen und Tiere. Über Land waren die frühen Moorsiedlungen weit schwerer erreichbar.

Das Wohnen auf entwässertem Torf verursachte ein hartnäckiges Problem. Trocknender Torf verliert an Volumen. Der Boden verdichtet sich und sinkt ab. Dadurch wurden die Höfe nasser, während die Häuser langsam absackten. Ein zunächst günstiger Wohnplatz an einem Wasserlauf veränderte sich durch die Erschließung und Nutzung der Landschaft selbst.

Die Bewohner Poppendams gaben ihre Häuser nicht sofort auf. Sie brachten neuen Boden und Lehm auf und legten über einem abgesunkenen Fußboden eine neue Wohnfläche an. Als auch diese Schicht sank, folgte eine weitere Aufhöhung. Archäologen fanden an einem untersuchten Hausplatz fünf Fußbodenniveaus übereinander. Jeder Boden markierte einen neuen Versuch, denselben Hof nutzbar zu halten.

Die Böden bestanden aus festgestampftem Lehm. Darüber standen Holzhäuser, von denen vor allem Pfostenspuren, Nutzungsschichten und Abfälle im Boden erhalten blieben. Keramik half bei der Datierung. Die Funde weisen auf eine mittelalterliche Gemeinschaft hin, die vermutlich im 11. Jahrhundert entstand und im 12. Jahrhundert sicher bewohnt war.

Poppendam war kein kompaktes Steindorf mit Platz, Kirche und dichter Bebauung. Es handelte sich um eine lockere Moorsiedlung entlang eines Wasserlaufs und einer Erschließungsachse. Die Bauernhöfe standen in gewissem Abstand zueinander. Höfe, kleine Äcker und Grasland umgaben die Häuser. Viehhaltung dürfte wichtig gewesen sein, da nasser Torfboden sich besser für Gras als für intensiven Ackerbau eignete.

Der Boden sank weiter. Gräben mussten unterhalten und Höfe erneut erhöht werden. Das Verhältnis zwischen Land und umgebendem Wasser wurde immer ungünstiger. Wasserprobleme nahmen zu, während der Unterhalt der Wohnplätze mehr Aufwand verlangte. Wahrscheinlich zerstörte keine einzelne Überschwemmung Poppendam. Die Siedlung verlor allmählich ihre praktischen Vorteile.

Gleichzeitig veränderte sich das Siedlungsmuster Waterlands. Häuser konzentrierten sich zunehmend entlang besser aufgeschütteter Wege, Kaden, Deiche und neuer Siedlungsbänder. Ransdorp und Zunderdorp entwickelten sich an Orten, an denen Wohnplätze und Verbindungen leichter erhalten werden konnten. Die alten Hausplätze von Poppendam gerieten außer Gebrauch und verschwanden schließlich aus der oberirdischen Landschaft.

Der Name verschwand nicht vollständig. Der Verwaltungsbezirk Ransdorp bestand später aus mehreren Vierteln, darunter Poppendam. Auch Poppendammergouw und Poppendammer Die bewahrten den Namen der alten Siedlung. Der oberirdisch verschwundene Wohnplatz blieb dadurch in Verwaltungsgrenzen, Straßen- und Gewässernamen erhalten.

Der Bau eines Radwegs bot 1985 Gelegenheit, zwei frühere Hausplätze zu untersuchen. Unter der Oberfläche kamen aufeinanderfolgende Fußbodenniveaus zum Vorschein. Es waren keine monumentalen Mauern oder vollständigen Gebäude, sondern dünne Schichten, die zeigten, wie die Bewohner mit dem sinkenden Boden umgingen. Gerade diese alltäglichen Spuren machten Poppendam archäologisch bemerkenswert.

Die Untersuchung zeigte außerdem, dass die heutigen Dorfzeilen nicht unbedingt die ersten bewohnten Orte Waterlands waren. Frühe Hausplätze konnten verlassen werden, während sich die Besiedlung auf einer anderen Linie fortsetzte. Ransdorp und Zunderdorp erhielten eine dauerhafte Form, während Poppendam zu einer verlassenen Siedlung unter den Wiesen wurde.

Im heutigen Gelände ist der Wohnplatz nicht klar markiert. Es gibt keine Ruinen und keinen erkennbaren Dorfhügel. Wiesen, Gräben und verstreute Bauernhöfe bestimmen das Bild. Die offene Landschaft lässt kaum vermuten, dass hier einst eine Reihe von Holzhäusern an einem Moorfluss stand.

Achte am Poppendammergouw auf die tief liegenden Parzellen und die weit ins Land reichenden Gräben. Sie gehören zu demselben Erschließungsprozess, der Poppendam möglich machte und später unter Druck setzte. Die Bewohner leiteten Wasser ab, um den Boden nutzbar zu machen. Dadurch schrumpfte und sank schließlich der Torf unter ihren Häusern.

Unter der Grasdecke liegen keine eindrucksvollen Mauern, sondern empfindliche Schichten aus Lehm, Torf und Siedlungsabfällen. Sie bewahren den wiederkehrenden Rhythmus aus Absinken, Aufhöhen und Neubeginn. Poppendam verschwand nicht während eines einzigen dramatischen Ereignisses. Die Siedlung geriet langsam außer Gebrauch, während anderswo neue und dauerhaft bewohnbare Dorfzeilen entstanden.

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