Gemalter Innenhof des Oost-Indisch Huis in Amsterdam im 19. Jahrhundert.

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Das Ostindienhaus und die Verwaltung der VOC

Hinter einem Sandsteinportal in der Oude Hoogstraat liegt das ehemalige Verwaltungszentrum der Amsterdamer Kammer der VOC. Der Innenhof und die Flügel aus dem 17. Jahrhundert zeigen noch heute, von welchen Gebäuden aus Handel, Schifffahrt und das weltweite VOC-Netzwerk organisiert wurden.

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Credit: Unbekannter Künstler, Innenhof des Oost-Indisch Huis in Amsterdam, 1870–1880. Rijksmuseum, CC0 1.0

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Warum hierherkommen?

Das Oost-Indisch Huis macht die Verwaltung der VOC an einem konkreten Ort greifbar. Das weltweite Unternehmen bestand nicht nur aus Schiffen, Lagerhäusern und Handelsstützpunkten, sondern auch aus Räumen, in denen Männer Akten lasen, Briefe beurteilten, Finanzmittel verteilten und Anweisungen verfassten. Der monumentale Innenhof zeigt, wie viel Raum die Organisation im Herzen Amsterdams einnahm.

Was ist zu sehen?

Der Zugang an der Oude Hoogstraat führt in einen geschlossenen Innenhof mit hohen Backsteinfassaden, Kreuzstockfenstern, Sandsteinbändern und reich ausgearbeiteten Giebeln. Der Südflügel von 1606 wird Hendrick de Keyser zugeschrieben. Weitere Teile wurden 1633 und 1658 hinzugefügt und später erneut umgebaut.

Warum besonders?

Das Oost-Indisch Huis war einer der Orte, von denen aus Amsterdam seine Stellung als internationales Handelszentrum organisierte. Die Amsterdamer Kammer stellte den größten Anteil an Kapital, Schiffen und Verwaltung der VOC. Von diesem Komplex führten Verbindungen zu Werften, Lagerhäusern, Börse, Lieferanten, Investoren und Tausenden Beschäftigten.

Die Geschichte dieses Ortes

Von konkurrierenden Gesellschaften zu einem mächtigen Unternehmen

Das Ostindienhaus liegt zwischen Oude Hoogstraat und Kloveniersburgwal in Amsterdam. Hinter den Backsteinfassaden und dem geschlossenen Innenhof befand sich seit Beginn des 17. Jahrhunderts das Verwaltungszentrum der Amsterdamer Kammer der Vereinigten Ostindischen Kompanie. Hier wurden Handelsreisen vorbereitet, Schiffe und Besatzungen gelenkt, finanzielle Entscheidungen getroffen und Berichte aus Asien bearbeitet.

Die Vorgeschichte begann am Ende des 16. Jahrhunderts. Amsterdamer Kaufleute wollten sich unmittelbar am Asienhandel beteiligen, der lange vor allem von Portugal beherrscht worden war. 1595 brach unter Cornelis de Houtman eine erste niederländische Flotte nach Java auf. Die Reise kostete viele Menschenleben und brachte wenig Gewinn, bewies jedoch, dass die Route möglich war. Danach entstanden mehrere konkurrierende Handelskompanien.

Um die Konkurrenz einzudämmen und ihre Stellung gegenüber ausländischen Rivalen zu stärken, wurden diese Vorkompanien 1602 zur VOC zusammengeschlossen. Die Generalstaaten verliehen ihr ein Handelsmonopol für einen großen Teil Asiens. Die Kompanie wurde in sechs regionale Kammern geteilt. Amsterdam brachte die Hälfte des Kapitals auf und wurde mit Abstand die größte und einflussreichste Kammer.

Die neue Organisation benötigte wesentlich mehr Raum als ein gewöhnliches Handelshaus. Die Amsterdamer Kammer nutzte zunächst Teile des Bushuis, des städtischen Waffenlagers. 1606 kam ein eigener Flügel hinzu und das Ostindienhaus entstand. Der Komplex wurde später weiter ausgebaut. Flügel aus verschiedenen Bauphasen umschlossen schließlich den Innenhof und boten Raum für Verwaltung, Sitzungen, Lagerung und Empfang.

Ein Verwaltungsgebäude als organisatorische Maschine

Das Ostindienhaus war kein gewöhnliches Lagerhaus, sondern das administrative Herz der Amsterdamer Kammer. Direktoren, Sekretäre, Buchhalter, Kassierer, Schreiber, Juristen, Kartografen und Prüfer bearbeiteten Briefe, Schiffsjournale, Frachtlisten, Verträge, Personaldaten und Finanzrechnungen. Viele Schriftstücke waren monatelang unterwegs gewesen, bevor sie in Amsterdam gelesen wurden.

Die Amsterdamer Direktoren stammten meist aus einflussreichen Kaufmannsfamilien. Sie brachten Kapital, Handelswissen und politische Netzwerke ein. Amsterdam stellte außerdem acht der siebzehn Mitglieder des zentralen Leitungsgremiums, der Heren XVII. Wenn dieses Kollegium in Amsterdam tagte, wurde das Ostindienhaus zum Verwaltungszentrum der gesamten Kompanie.

In den Sitzungssälen wurde über Schiffe, Ladungen, Geld, Ernennungen und Handelsziele entschieden. Auch Krieg, Diplomatie, Festungsbau und der Einsatz von Militär gehörten zu den Themen. Anweisungen gingen an Kapitäne, Kaufleute und Amtsträger in Asien; aus Batavia und anderen Niederlassungen kamen Berichte, Kassenbücher, Beschwerden und politische Informationen zurück.

Karten waren unverzichtbar. Kenntnisse über Küsten, Strömungen, Routen und Häfen konnten über Ankunft oder Schiffbruch entscheiden. Verlässliche Seekarten galten deshalb als vertrauliche Unternehmensunterlagen. Beobachtungen von Kapitänen und Steuerleuten wurden in immer genauere Karten eingearbeitet, die künftige Reisen ermöglichen sollten.

Amsterdam als Knotenpunkt eines weltweiten Netzwerks

Das Gebäude war mit einem viel größeren Amsterdamer Netzwerk verbunden. Schiffe entstanden auf verschiedenen Werften, später vor allem auf Oostenburg. In Lagerhäusern lagen Handelswaren und Schiffsmaterialien. Lieferanten brachten Holz, Tauwerk, Segeltuch, Waffen, Nahrung und Getränke. Matrosen und Soldaten konnten sich beim Ostindienhaus anwerben lassen. Viele kamen aus anderen Teilen Europas und brachen für niedrigen Lohn zu Reisen auf, von denen die Rückkehr ungewiss war.

Die Schiffe transportierten Silber, Münzen, Waffen, Textilien und Vorräte nach Asien. Dort handelte die VOC unter anderem mit Pfeffer, Nelken, Muskatnüssen, Zimt, Tee, Kaffee, Porzellan, Seide und Baumwollstoffen. Ein großer Teil dieses Handels fand innerhalb Asiens statt. Batavia wurde zum wichtigsten Verwaltungs- und Logistikzentrum, blieb jedoch den Direktoren in den Niederlanden rechenschaftspflichtig.

Die VOC war mehr als ein Handelsunternehmen. Ihr Oktroi erlaubte ihr, Verträge abzuschließen, Festungen zu bauen, Truppen zu beschäftigen, Münzen zu prägen und Krieg zu führen. Handel war daher eng mit Zwang, Gewalt und kolonialer Machtausübung verbunden. In verschiedenen Gebieten versuchte die Kompanie, Konkurrenten auszuschließen und Produktion oder Verkauf bestimmter Waren zu kontrollieren.

Handel, Staatsmacht und Gewalt

Ihre Macht war niemals uneingeschränkt. Asiatische Herrscher, Kaufleute, Seeleute, Soldaten und Vermittler bestimmten mit, was möglich war. Die VOC war häufig von bestehenden Handelsnetzen, lokalem Wissen und politischen Bündnissen abhängig. Ihre Stellung unterschied sich stark von Region zu Region. Hinter den Amsterdamer Befehlen lag eine Welt aus Verhandlung, Widerstand, Zusammenarbeit und Konflikt.

Die Erträge des Handels trugen zum Aufstieg Amsterdams als Handels- und Finanzzentrum bei. Asiatische Waren wurden in Lagerhäusern aufbewahrt und versteigert. Kaufleute, Aktionäre, Transporteure und Lieferanten profitierten davon. Zugleich waren die Gewinne mit gefährlichen Reisen, Ausbeutung, Krieg, erzwungener Produktion und dem Leben zahlreicher europäischer und asiatischer Arbeitskräfte verbunden.

Das Ostindienhaus erfüllte auch repräsentative Aufgaben. Ausländische Gäste und hochrangige Besucher wurden hier empfangen. Karten, Gemälde und kostbare Waren sollten Reichweite und Wohlstand der Kompanie zeigen. 1638 nahm Maria de’ Medici an einem Bankett im Gebäude teil. Die Innenräume vermittelten Ordnung und Erfolg, während Schiffbruch, Krankheit, Gewalt und schwierige Verhandlungen außerhalb dieses Bildes blieben.

Im 18. Jahrhundert nahmen die Probleme zu. Die Kosten für Schiffe, Festungen, Garnisonen und Verwaltung stiegen. Korruption, Schmuggel, Kriege und Konkurrenz schwächten das Unternehmen. Der Vierte Englisch-Niederländische Krieg verursachte ab 1780 schwere Verluste. Schiffe wurden erbeutet, Einnahmen sanken und Schulden wuchsen.

Vom Niedergang zum Universitätsgebäude

Nach der Gründung der Batavischen Republik kam die VOC unter staatliche Aufsicht. Am 31. Dezember 1799 lief das Oktroi aus und die Kompanie wurde aufgelöst. Besitzungen, Schulden und Verwaltungsaufgaben gingen auf den Staat über. Das Ostindienhaus verlor damit seine ursprüngliche Funktion.

Im 19. Jahrhundert nutzten verschiedene staatliche Dienste den Komplex und Teile wurden umgebaut. Im 20. Jahrhundert wurde er Teil der Universität Amsterdam. Restaurierungen machten historische Fassaden und Innenraumelemente wieder sichtbar. Der sogenannte VOC-Saal erinnert an den früheren Sitzungssaal der Direktoren, doch seine heutige Einrichtung ist größtenteils eine spätere Rekonstruktion.

Der Innenhof vermittelt noch immer die Größe des ehemaligen Verwaltungsapparats. Hohe Flügel schließen den Raum ein. Gleichmäßige Fensterreihen erinnern an Zimmer, in denen Briefe geschrieben, Rechnungen geprüft und Karten studiert wurden. Unterschiede zwischen den Fassaden zeigen, dass der Komplex nicht in einer einzigen Bauphase entstand, sondern gemeinsam mit der Kompanie wuchs.

Von diesem Amsterdamer Innenhof führten Verbindungen zu Werften am IJ, Lagerhäusern auf Oostenburg, Handelsstationen in Asien und Kriegen auf der anderen Seite der Welt. Das Ostindienhaus bewahrt daher mehr als die Architektur einer alten Handelskompanie. Es ist der Ort, an dem Handel, Verwaltung, Information, koloniale Macht und Gewalt in Entscheidungen auf Papier umgesetzt wurden.

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