Verschwundene Orte
Groot Olmen, Siedlungen unter dem Dünensand
Unter dem Dünensand von Groot Olmen liegen Reste frühmittelalterlicher Siedlungen, die zwischen etwa 450 und dem 9. Jahrhundert bewohnt waren. Bauern errichteten hölzerne Wohnstallhäuser, hielten Vieh und bewirtschafteten kleine Äcker in geschützten Dünentälern. Höfe und Häuser verlagerten sich im Laufe der Zeit, sodass eine ausgedehnte Siedlungslandschaft entstand. Später wurden Häuser, Äcker und Wege von jüngeren Dünen überdeckt. Seit 2004 kamen Keramik, Hausgrundrisse, Pflugspuren und Fahrspuren wieder zum Vorschein.

Warum hierher?
Groot Olmen zeigt, dass sich unter einer scheinbar natürlichen Dünenlandschaft eine ganze Lebenswelt verbergen kann. Hier standen große hölzerne Bauernhäuser, in denen Menschen und Vieh unter einem Dach lebten. Rund um die Häuser lagen Äcker, Weiden, Wasserstellen und viel genutzte Wege. Die Höfe bildeten kein Dorf mit einem festen Mittelpunkt, sondern eine Landschaft, in der sich die Siedlungsplätze über Generationen hinweg verlagerten. Oberirdisch ist davon nichts erkennbar. Gerade der Gegensatz zwischen dem stillen Dünental und den zahlreichen Spuren unter dem Sand macht den Ort besonders.
Was sieht man?
Zu sehen ist ein offenes Dünental mit sandigen Senken, niedriger Vegetation, Gebüsch und einzelnen Wasserflächen. Bauernhäuser, Äcker und Wege sind nicht sichtbar. Die untersuchten Spuren liegen wieder unter dem Sand oder wurden während der archäologischen Untersuchungen dokumentiert und entfernt. Die niedrige und geschützte Form des Tals erklärt jedoch, weshalb Menschen sich hier ansiedeln konnten. Es gab Raum für Häuser, Äcker und Vieh, während feuchte Senken Süßwasser boten. Groot Olmen ist nur zu Fuß über die Wege des Nationalparks erreichbar.
Warum ist dieser Ort wichtig?
Groot Olmen bietet einen seltenen Einblick in den Alltag der westlichen Niederlande nach dem Ende der römischen Herrschaft. Schriftliche Quellen berichten wenig über die Bauernfamilien, die damals im Küstengebiet lebten. Ihre Häuser, Äcker, Tierreste und Gebrauchsgegenstände zeigen, wie sie die Dünenlandschaft nutzten und mit Gebieten außerhalb der Küste verbunden waren. Der Ort zeigt außerdem, wie natürliche Landschaftsbildung menschliche Besiedlung auslöschen und deren Spuren zugleich über Jahrhunderte schützen kann.
Die größere Geschichte
Groot Olmen liegt tief in den Kennemerduinen. Sandige Senken, Dünenhänge, Gebüsch und Wasser bestimmen heute die Landschaft. Im Frühmittelalter sah die Umgebung anders aus. Zwischen niedrigen alten Dünen lagen feuchte Täler mit Grasland, Wald und Süßwasser. Seit etwa 450 siedelten Bauern auf den geschützten Flächen zwischen den Dünen.
Die Bewohner bauten langgestreckte Wohnstallhäuser aus Holz. In einem Teil des Gebäudes lebten die Menschen, im anderen stand das Vieh. Einer der ausgegrabenen Bauernhöfe war etwa 31 Meter lang. Seine Wände bestanden aus überlappenden Holzplanken. Diese Bauweise unterschied sich von den im Küstengebiet üblichen Wänden aus Flechtwerk und Lehm und zeigt, wie sorgfältig die Bewohner ihre Häuser an die verfügbaren Materialien anpassten.
Rund um die Häuser lagen Höfe, kleine Äcker und Weiden. Pflugspuren zeigen, wo der Boden bearbeitet wurde. Fahrspuren und Hufabdrücke verraten, wie Menschen und Tiere durch das Tal zogen. Eine Wasserstelle versorgte das Vieh. Die geschützten Senken ermöglichten Wohnen, Arbeiten und Tierhaltung ohne ständige Belastung durch die starken Winde der offenen Küste.
Die Siedlungen waren keine vorübergehenden Lagerplätze. Mehrere Generationen lebten hier. Häuser wurden erneuert, Höfe verlagert und ehemalige Wohnplätze später als Acker genutzt. Dadurch entstand im selben Gebiet ein dichtes Muster von Siedlungsspuren. Groot Olmen war kein Dorf mit einem festen Mittelpunkt, sondern eine Siedlungslandschaft, in der Bauernhöfe und Höfe allmählich ihren Standort wechselten.
Die Bewohner lebten nicht von der Außenwelt abgeschnitten. Ein Teil der Keramik stammte aus dem Rheinland. Solche Funde weisen auf Verbindungen zu Handelsnetzen außerhalb der Dünen hin. Waren konnten entlang der Küste, über Flüsse und regionale Märkte ausgetauscht werden. Die Menschen von Groot Olmen lebten geschützt in den Dünen, waren aber Teil eines größeren frühmittelalterlichen Netzwerks.
Der Alltag war vor allem von Landwirtschaft und Viehhaltung geprägt. Rinder lieferten Fleisch, Milch, Häute und Zugkraft. Schafe und Ziegen konnten auf mageren Böden weiden, die für den Ackerbau weniger geeignet waren. Kleine Felder lieferten Getreide und andere Pflanzen. Holz aus der Umgebung wurde für Häuser, Zäune und Werkzeuge genutzt. Die Dünen waren keine leere Wildnis, sondern ein sorgfältig genutzter Lebensraum.
Im Verlauf des Frühmittelalters veränderte sich die Landschaft. Böden wurden stellenweise trockener und die langfristige Nutzung konnte Vegetation und lockeren Sand anfälliger machen. Wind und Sandverwehungen gewannen an Einfluss. Seit den letzten Siedlungsphasen und besonders in den folgenden Jahrhunderten bildeten sich jüngere Dünen, die über die älteren Täler wanderten. Sand füllte Senken, bedeckte Äcker und versiegelte verlassene Wohnplätze.
Die Besiedlung endete wahrscheinlich nicht durch eine einzelne plötzliche Katastrophe. Die Landschaft wurde schrittweise schwieriger nutzbar. Äcker wurden von Sand bedeckt, Wasserstellen veränderten sich und neue Dünen schnitten Teile des Geländes ab. Bauernhöfe wurden verlassen und schließlich nicht mehr ersetzt. So verschwand die Besiedlung nach und nach aus dem Dünental.
Alles, was oberirdisch stand, ging verloren. Holzwände stürzten ein, wurden abgebaut oder verfielen. Dächer verschwanden und Holzpfosten hinterließen nur Verfärbungen im Boden. Unter dem Sand blieben jedoch Pfostenlöcher, Herdstellen, Pflugspuren, Fahrspuren und Abfälle erhalten. Dieselben Sandschichten, die die alten Wohnplätze verbargen, schützten viele Reste vor späteren Störungen.
Jahrhundertelang war an der Oberfläche nichts mehr von den Siedlungen zu sehen. Die jüngeren Dünen entwickelten sich zu der Landschaft, die heute so natürlich erscheint. Keine sichtbaren Mauern, Ruinen oder Erhebungen erinnerten an die frühere Besiedlung. Die Siedlungen verschwanden nicht nur aus der Landschaft, sondern auch aus dem Gedächtnis. Nur der Boden bewahrte die Lage der Häuser, Höfe und Äcker.
Im Jahr 2002 wurde bei Groot Olmen eine nährstoffreiche Deckschicht entfernt. Ziel war die Wiederherstellung offener Dünen und natürlicher Sandbewegungen. Der Wind erfasste den Sand erneut. Im Herbst 2004 wurden über das Gelände verteilt ungewöhnlich viele Keramikscherben, Knochen und andere Fundstücke entdeckt. Darauf folgten weitere Untersuchungen und Ausgrabungen in den Jahren 2005, 2006 und 2007.
Auf einer Fläche von etwa zehn Hektar kamen mehrere Fundstellen ans Licht. Archäologen erkannten Hausgrundrisse, Ackerschichten, Wasserstellen sowie Spuren von Wegen und Höfen. Die aufeinanderfolgenden Reste zeigten, dass hier nicht nur ein einzelner Bauernhof stand, sondern eine ausgedehnte Siedlungslandschaft über mehrere Jahrhunderte genutzt wurde.
Die Funde ermöglichen einen seltenen Blick auf den Alltag in den westlichen Niederlanden nach dem Ende der römischen Herrschaft. Schriftliche Quellen dieser Zeit berichten vor allem über Herrscher, Kriege und kirchliche Einrichtungen. Über gewöhnliche Bauernfamilien ist deutlich weniger bekannt. Groot Olmen zeigt ihre Welt: Häuser, Vieh, Äcker, Gebrauchsgegenstände und Wege durch den Sand.
Von der Besiedlung steht nichts mehr aufrecht. Auch die Grabungsflächen wurden nicht als offene Ruinen erhalten. Wind, Sand und Pflanzen bestimmen das Gelände erneut. Achte auf die geschützte Senke zwischen den höheren Dünen und stelle dir dort keine leere Natur vor. Unter diesem stillen Sand lagen lange Bauernhäuser, kleine Äcker und viel genutzte Wege. Groot Olmen verschwand langsam aus dem Blick, blieb aber unter den Dünen erhalten.
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