Die Niederlande und das Wasser
Das Pumpwerk De Cruquius und die Trockenlegung des Haarlemmermeers
Wo heute Äcker, Wohngebiete, Autobahnen und der Flughafen Schiphol liegen, erstreckte sich bis 1852 das Haarlemmermeer. Drei gewaltige Dampfpumpwerke legten den immer größer werdenden See trocken. De Cruquius von 1849 blieb mit seinem runden Maschinenhaus, acht Balancierarmen und der riesigen Cornwall-Dampfmaschine weitgehend erhalten. Das Pumpwerk markiert den Übergang von der Windentwässerung zum industriellen Wasserbau.

Warum hierher?
De Cruquius vereint Maschine, Architektur und Polderlandschaft an einem Ort. Draußen sind das runde neugotische Maschinenhaus, die herausragenden Balancierarme und das höher liegende Wasser der Ringvaart zu sehen. Im Inneren steht die ursprüngliche Dampfmaschine der Trockenlegung. Für Innenraum und Vorführung ist ein kostenpflichtiger Museumsbesuch erforderlich. Eine Führung ist nicht notwendig.
Was sieht man?
An der Ringvaart steht ein rundes Backsteinpumpwerk mit Spitzbogenfenstern, Zinnen und hohem Schornstein. Acht gusseiserne Balancierarme ragen durch die Außenwand. Im Maschinenraum befindet sich die senkrechte Cornwall-Maschine mit ihrem gewaltigen Zylinder unter dem Fußboden. Die Dampfkessel sind verschwunden, doch bei Vorführungen kann die Anlage hydraulisch langsam bewegt werden. Draußen ist der Höhenunterschied zwischen Ringvaart und Polder gut erkennbar.
Warum ist dieser Ort wichtig?
Mit De Cruquius, De Leeghwater und De Lijnden wurde erstmals ein niederländischer See dieser Größe vollständig mit Dampfkraft trockengelegt. Dabei entstanden rund achtzehntausend Hektar neues Land und die Geografie zwischen Amsterdam, Haarlem und Leiden veränderte sich dauerhaft. De Cruquius ist das einzige der drei Pumpwerke, dessen ursprüngliche Maschine weitgehend erhalten blieb.
Die größere Geschichte
Wer heute durch Haarlemmermeer fährt, bewegt sich über den Boden eines verschwundenen Sees. Straßen, Äcker, Ortschaften, Gewerbegebiete, Bahnlinien und der Flughafen Schiphol liegen auf Land, das erst Mitte des 19. Jahrhunderts trockenfiel. Das Pumpwerk De Cruquius steht am westlichen Rand des Polders, genau zwischen dem höher liegenden Wasser der Ringvaart und dem wesentlich tieferen ehemaligen Seeboden.
Das Haarlemmermeer entstand aus mehreren kleineren Torfseen zwischen Haarlem, Amsterdam und Leiden. Nutzung und Entwässerung ließen den umliegenden Moorboden absinken, während Stürme und Wellenschlag die Ufer abtrugen. Die einzelnen Seen wuchsen und flossen schließlich zu einer großen Wasserfläche zusammen. Dörfer, Äcker und Wege an den Rändern rückten immer näher an das Wasser heran oder verschwanden vollständig.
Der wachsende See erhielt den Beinamen Wasserwolf. Der Name bezog sich darauf, dass das Wasser immer wieder neue Landstücke zu verschlingen schien. Dennoch war der See nicht nur eine Bedrohung. Auf ihm wurde gefischt und gefahren, und er verband verschiedene Orte der Umgebung miteinander. Die Trockenlegung entfernte daher nicht einfach nutzloses Wasser, sondern veränderte eine bestehende Landschaft und ihre Nutzung grundlegend.
Pläne zur Trockenlegung des Haarlemmermeers bestanden bereits im 17. Jahrhundert. Die Größe des Sees machte das Vorhaben jedoch außerordentlich teuer und technisch schwierig. Eine Entwässerung mit Windkraft hätte schätzungsweise etwa 160 Mühlen erfordert. Diese hätten außerdem gewaltige Wassermengen über einen beträchtlichen Höhenunterschied bewegen und den neuen Polder anschließend dauerhaft trockenhalten müssen.
Schwere Stürme im November und Dezember 1836 trieben das Wasser in Richtung Amsterdam und Leiden. An mehreren Stellen wurden tiefe Gebiete überflutet und der See kam wichtigen Städten gefährlich nahe. König Wilhelm I. entschied daraufhin, dass die Trockenlegung nicht länger aufgeschoben werden durfte. Das Projekt wurde zu einem nationalen Unternehmen, in dem Hochwasserschutz, Landgewinnung und moderne Technik zusammenkamen.
Ab 1840 gruben Tausende Arbeiter eine fast 63 Kilometer lange Ringvaart um den See. Mit der ausgehobenen Erde wurde daneben ein Ringdeich errichtet. Der Kanal musste das ausgepumpte Wasser ableiten, während der Deich das umliegende Land von dem trockenzulegenden Gebiet trennte. Schon diese vorbereitenden Arbeiten verwandelten den gesamten Seeuferbereich in eine langgestreckte Baustelle.
1843 fiel die endgültige Wahl auf Dampfkraft. Für eine Trockenlegung dieser Größenordnung war das eine mutige Entscheidung. Drei große Pumpwerke sollten den See leeren: De Leeghwater, De Lijnden und De Cruquius. Sie wurden an verschiedenen Stellen der Ringvaart errichtet, damit das Wasser aus mehreren Teilen des Sees abgeführt werden konnte.
Der Bau von De Cruquius begann 1847 nach einem Entwurf des Ingenieurs Jan Anne Beijerinck. Die runde Form des neugotischen Gebäudes hing unmittelbar mit der Anordnung der Maschinen zusammen. Acht Pumpen lagen wie Speichen um eine zentrale Dampfmaschine. Hohe Fenster, Zinnen und schwere Mauern gaben dem Pumpwerk das Aussehen einer Burg, doch fast jeder Teil des Gebäudes diente der Technik im Inneren.
Die senkrechte Cornwall-Maschine besaß einen Zylinder mit einem Durchmesser von 3,66 Metern. Die Bewegung des zentralen Kolbens wurde über acht gewaltige Balancierarme auf Pumpen außerhalb des Gebäudes übertragen. Diese hoben das Wasser aus dem stetig sinkenden See in die höher gelegene Ringvaart. Heizer versorgten die Kessel und Maschinisten überwachten die Anlage. Gearbeitet wurde Tag und Nacht, soweit Wartung, Brennstoff und Wasserstand dies erlaubten.
De Leeghwater begann 1848 mit dem Pumpen. De Lijnden und De Cruquius folgten 1849. Mit sinkendem Wasserstand erschien langsam der Boden des Sees. Im Juli 1852 war die Trockenlegung abgeschlossen. Wo kurz zuvor noch Schiffe gefahren waren, lag nun eine nasse und nahezu leere Ebene von ungefähr achtzehntausend Hektar.
Danach begann ein zweites großes Unternehmen: die Nutzbarmachung des neuen Bodens. Kanäle, Gräben, Straßen und Parzellen teilten das Land in ein strenges Muster. Hoofddorp und Nieuw-Vennep entstanden an wichtigen Kreuzungen. Später kamen Bauernhöfe, Wohngebiete, Autobahnen, Gewerbeparks und Schiphol hinzu. Die heutige Betriebsamkeit des Haarlemmermeers ruht damit buchstäblich auf dem Grund des früheren Wasserwolfs.
De Cruquius blieb nach der Trockenlegung notwendig, um Regen- und Sickerwasser aus dem tief liegenden Polder abzuführen. 1932 wurde das Pumpwerk stillgelegt. Die Kessel verschwanden, doch die zentrale Maschine, die Balancierarme und große Teile der Pumpen blieben erhalten. Frühe Aufmerksamkeit für das industrielle Erbe rettete den Komplex vor dem Abriss und ermöglichte seine Nutzung als Museum. Im Inneren machen Maschine und acht Arme die Größenordnung der Trockenlegung greifbar. Blicke draußen zunächst auf das Wasser der Ringvaart und anschließend auf das viel tiefer liegende Land. Dieser Höhenunterschied erklärt, weshalb das Haarlemmermeer nicht nur einmal trockengelegt werden musste, sondern bis heute ständig entwässert werden muss.
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